Umwelt - Einführung
In Polen gibt es Gegenden, in denen die Natur europaweit und sogar darüber
hinaus einzigartig ist. Teilweise ist sie noch unberührt wie das wilde,
wenig bevölkerte Bieszczady-Gebirge mit wunderschönen Hochgebirgswiesen
oder die unzugänglichen, im Frühling überfluteten Wiesen am Fluss Biebrza,
an dem viele seltene Vogelarten nisten, die zum Teil nirgendwo anders
in Europa vorkommen.
Zu Polens Schätzen zählen alten Eichen, die in einem großen Eichenwald
in Rogalin bei Poznań / Posen wachsen. In der Woiwodschaft Kielce steht
die 1000-jährige Eiche "Bartek", die lange als Polens größter
und ältester Baum galt. Über Bartek gibt es unzählige Sagen. Eine von
ihnen erzählt, dass unter diesem berühmtesten polnischen Baum im Mittelalter
König Kazimierz Wielki / Kasimir der Große ein Gerichtsverfahren durchgeführt
haben soll. In Wirklichkeit ist jedoch die nordöstlich von Jelenia Góra
/ Hirschberg, in Henryków Lubański wachsende Eibe das älteste Gewächs.
Mit schätzungsweise 1250 Jahren ist sie sogar älter als der polnische
Staat.
Uralte Bäume
Eiche und Eibe gehören zu langlebigsten Baumarten. Die berühmten polnischen
Eichen wurden zu Naturdenkmälern bestimmt. Sie heißen Bartek, Chrobry,
Lech, Czech und Rus und sind 700-1000 Jahre. Verhältnismäßig alt wird
auch die Linde, die früher häufig in den Dörfern, insbesondere an Höfen
und Kirchen gepflanzt wurde. Die älteste Ulme und die älteste Esche Polens
sind über 400 Jahre alt und zugleich die größten Vertreter ihrer Baumart
in Europa. Auch Fichten und Tannen können dieses Alter erreichen. Beide
gehören zu den größten in Polen wachsenden Bäumen, wo sie bis zu 50 m
hoch werden. Kürzer leben Buchen und Kiefern, am kürzesten Birken und
Pappeln.
Gigantische Bäume, die bis zu 50 m hoch sind, wachsen im Urwald von Bialowieża.
Dort lebt das größte in Europa lebende Tier - der Wisent. In Polen leben
ebenfalls Braunbären (in der Tatra und im Bieszczady-Gebirge, Ostbeskiden)
und die größten Raubvögel: der See- und der Steinadler. Von allen Tierarten
mögen die Polen jedoch am liebsten Pferde und Störche. In der Kultur,
in der Wirtschaft und in der Tradition Polens spielten Pferde immer eine
große Rolle: beim Reisen, in der Landwirtschaft, bei der Jagd und im Kriege.
Die Polen verbrachten viel Zeit im Sattel, bereits in der slawischen Zeit,
in der sie sich ständig vor Angriffen verteidigen mussten. Das Pferd wurde
von ihnen seither als ein Kamerad betrachtet. Die Polen erwarben sich
den ruf, ausgezeichnete Reiter zu sein. Das Reiten hat eine lange Tradition.
Der Angriff der polnischen Husaren bei Kirchholm oder der berühmte Wiener
Entsatz (1683) gehören zur ruhmvollen Geschichte Europas. Die Fähigkeiten
der polnischen Reiter, Ulanen und Kavalleristen waren auch im Ausland
hochgeschätzt. Der polnische Emigrant, General Kazimierz Pulaski, der
an den Unabhängigkeitskämpfen in den USA teilgenommen hat und als amerikanischer
Nationalheld betrachtet wird, gilt als Vater der amerikanischen Kavallerie.
In der Vergangenheit war das Pferd in Polen so populär, dass es in einem
der ersten polnischen Lexika von 1746 wie folgt definiert wurde: "Wie
das Pferd ist, sieht jeder."
Auf vielen Bauernhöfen werden bis heute Pferde gehalten, obwohl sie als
Zugtiere keine besonders große Rolle mehr spielen. Vor 40 Jahren gab es
in Polen 2 Mio. Pferde, heute sind es 500 000. Als unersetzlich erweisen
sie sich in schneereichen Wintermonaten, wenn viele Orte nur mit Pferdeschlitten
erreichbar sind. Das Pferd spielt eine zunehmende Rolle für Erholung,
Rehabilitation und Sport. Das Reiten und der Reitsport sind in Polen sehr
populär. Es gibt zahlreiche Privatgestüte und das Erholungszentren bieten
häufig einen "Urlaub im Sattel? an. Die Polen lieben Pferde. Nach
einer Zuchttradition von mehreren Jahrhunderten gehören die polnischen
Araber zu den weltweit meistgefragten Pferden. Sie werden auf drei staatlichen
Gestüten gezüchtet: in Michałów, Białka und Janów Podlaski. Zu Pferdeauktionen
in Janów kommen bekannte Pferdeliebhaber aus vielen Ländern, darunter
Shirley Watts, die Frau des Schlagzeugers der Rolling Stones, die u. a.
Pilarka, die erste Championistin der Welt besitzt. Polnische Pferde werden
ziemlich teuer gehandelt, 1981 wurde z. B. der Hengst El Paso für 1 Mio.
$ und 1985 die Stute Penicylina für 1,5 Mio. $ verkauft.
Der Storch ist das Wahrzeichen vieler polnischer Ortschaften, Institutionen
und Organisationen. Er prangt auch auf zahlreichen Wappen. Das zeugt von
der Vorliebe der Polen für diesen Vogel. Der Storch war das Maskottchen
Polens auf der Expo 2000 in Hannover. Für seine Beliebtheit spricht die
Tatsache, dass er der Held unzähliger Märchen und Sagen ist. Störche wurden
häufig mit Personennamen bedacht, z. B. Wojtek / Adalbert. Ein Storchennest
auf dem Dach gilt als gutes Omen und man versucht deshalb, diese Tiere
mit alten Wagenrädern anzulocken und zum Nestbau anzuregen.
Polen ist ein Paradies für Störche. Hier leben die meisten Weißstörche
Europas. Der Weißstorch tritt in den Niederlanden und in Schweden überhaupt
nicht mehr auf, in Frankreich ist er eine Seltenheit. In Polen nistet
über ein Viertel seiner europäischen Population. Die große Anzahl an Störchen
verdankt Polen seiner sauberen und nahrungsreichen Natur, in der sie viele
Nistplätze finden.
Im Ermland und in den Masuren (Warmia i Mazury) baut der Storch sein Nest
auf Dächern, in Wielkopolska / Großpolen auf Baumkronen. In den letzten
10-20 Jahren nistet er immer häufiger auf Strommasten und Schornsteinen.
Zahlreiche Energiebetriebe montieren vorsorglich spezielle Untersätze
auf Masten im sicheren Abstand von den Stromleitungen. Manche Firmen produzieren
fertige Plattformen für Storchennester. Der Storch nistet auch auf Kirchendächern,
Feuerwehrtürmen, Hochsitzen, Strohschobern und sogar auf Kreuzen an Wegesrändern.
Der Weißstorch ist mit Ausnahme der höheren Karpaten, Sudeten und des
Heiligkreuzgebirges / Gory Świętokrzyskie fast in ganz Polen zu finden.
Am häufigsten baut er seine Nester in den weiten und nahrungsreichen Tälern
großer Flüsse wie Wisła / Weichsel, Odra / Oder, Warta / Warthe, Notec,
Pilica, Biebrza und Narew. 40 000 Störche bzw. 25 % der Weltpopulation
nisten im Nordosten Polens. Mitteleuropas größter Standort dieser Vögel
befindet sich derzeit im Ermland / Warmia.
Mehr Störche als Menschen
Auf dem Gebiet Polens gibt es mehrere Storchenkolonien mit mindestens
20 Nestern. Es gibt sogar Ortschaften, in denen mehr Störche als Menschen
zu finden sind. Im Norden des Ermlands, im Dorf Żywkowo leben 36 Menschen,
aber es gibt 40 Nester und 180 Störche. Man sieht sie dort praktisch überall.
Und wenn sie im Herbst wegfliegen, wirkt das Dorf leer und traurig. Ab
März blicken die Einwohner sehnsüchtig in den Himmel, in der Hoffnung,
endlich das ersehnte Storchgeklapper wieder zu hören.
Quelle: www.poland.gov.pl

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