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FAUNA: LEBEWESEN - GROSS UND KLEIN

Hinsichtlich der Artenvielfalt ist die Tierwelt Polens bedeutend reicher als die Pflanzenwelt. Es gibt hier etwa 33 000 Tierarten (inklusive Wirbellose). Zu den Wirbeltieren, die auf dem Festland leben, gehören 85 Säugetierarten, 220 Nistvogelarten, 8 Kriechtierarten, 17 Lurcharten und 55 Fischarten. Viele Arten sind in verschiedenen Zeitperioden seit der letzten Vergletscherung nach Polen gelangt.
In der heutigen Tierwelt Polens gibt es nur wenige Arten, die in den Eiszeit-Gebieten überdauert haben. Die Mehrheit dieser Tierarten überstand sie im Süden und kam erst nach dem Rückgang der Eiswand zurück. Da Alpen und Karpaten eine unüberwindliche Barriere darstellten, kamen die Tierarten aus zwei Richtungen: aus östlichen und westlichen Refugien. Auf dem Gebiet Polens begegneten sich manchmal Abstammungen ein und derselben Art, die sich in jenem langen Zeitraum völlig verschieden entwickelt hatten.
Wegen der aus geologischer und evolutionärer Sicht sehr kurzen Ansiedlungszeit findet man im Tiefland fast keine Endemien (Verbreitung in einem örtlich begrenzten Gebiet). Die meisten Tiere pflanzen sich leicht und schnell fort und bewohnen die gesamte gemäßigte Zone Eurasiens. Dazu gehören Schleie, Karpfen, Grauunke, Blindschleiche, Ringelnatter, Buchfink, Kreuzente, Habicht, Eichhörnchen, Grauhase, Reh und Hirsch. Ihren typischen Lebensraum bilden Laub- und Mischwälder. Es gibt schätzungsweise 36 Endemien und 38 Relikt-Arten. Durch Polen verlaufen die Verbreitungsgrenzen zahlreicher Tierarten. So endet hier z. B. der Lebensraum von Schneehase, Dreifingerspecht und Tannenhäher. Für die Graulerche und für den östlichen Igel verläuft hier die östliche Verbreitungslinie und für das Kaninchen, das im Westen und Südwesten auftritt, die östliche. In Ostpolen sind klimabedingt besondere Tierarten entstanden. Im Nordosten (Mazury / Masuren, Suwałszczyzna / Sadanauer Land/, Puszcza Knyszyńska / Knyszyn-Urwald, Puszcza Białowieska / Białowieża-Urwald) begegnet man Tierarten, die für Tundra und Taiga charakteristisch sind: z. B. Ural-Waldkauz, Moorkauz, Schneehase und Elch. Im Südosten leben Tiere, die für Schwarzmeersteppen charakteristisch sind: Hamster, Perlenziesel und Steppeniltis. Zu den Vertretern der südlichen und östlichen Fauna gehören u. a. insektenfressende Vögel (Bienenfresser und Rötelfalke), die Äskulap-Schlange und die Weißliche Weinbergschnecke.

 

Wisente in freier Natur

Das größte in Polen vorkommende Tier ist der Wisent, dem im 18. Jh. die Ausrottung drohte. Er überlebte lediglich im Białowieża-Urwald / Puszcza Bialowieska und im Kaukasus. 1919 wurde der letzte Wisent von Białowieża von einem Wilderer getötet, die kaukasische Population ist 1927 ausgestorben. Weltweit gab es damals nur noch 50 Wisente, die in Zoos und in Gehegen lebten, u. a. in der Plesser Heide / Lasy Pszczyńskie und auf der Wyżyna Śląska / Schlesische Hochebene. Man wählte daraus zwölf zur Zucht geeignete Exemplare und vermehrte sie in der geschlossenen Zuchtstation in Białowieża.
Die ersten Tiere verließen die Station 1952. Der erste Wisent wurde jedoch erst 1957 geboren. Zum Glück vermehrten sich die Wisente schnell. Anfang der 70er Jahre lebten bereits über 200 Exemplare in freier Wildbahn, obwohl außerhalb der Reservate nur 38 ausgesetzt wurden. Man setzte die Wisente von Białowieża in geschlossenen Reservaten oder in großen Wäldern, vorwiegend in Laubwäldern, aus. Inzwischen streifen sie auch durch die Urwälder Knyszyńska, Borecka und Niepołomicka, die Plesser Heide und das Bieszczady-Gebirge. Dort ist es übrigens gelungen, eine Wisent-Mischart zu züchten, indem die Weibchen von Białowieża vom letzten kaukasischen Männchen befruchtet wurde. Das Bieszczady-Gebirge ist jedoch für die Vermehrung nicht so optimal, wie andere Gebiete.

Wisentweibchen sind sehr tapfere Mütter. Ein Wisentbaby kommt nach neun Monaten Tragezeit mit 30 kg zur Welt und saugt dann acht Monate Muttermilch. Ausgewachsene Exemplare erreichen bis zu 1000 kg und sind imstande, täglich 60 kg Pflanzen zu vertilgen. Im Winter werden sie zusätzlich mit Heu gefüttert. Der Wisent lebt in Herden, die im Sommer aus 10-20 Tieren bestehen und im Winter bedeutend größer werden. Nur alte Wisente bleiben allein.


Wisentweibchen. Foto: M. Czasnojc, www.poland.gov.pl

Im Białowieża-Urwald leben gegenwärtig 250 Wisente, etwa die gleiche Zahl lebt auf der weißrussischen Seite dieser Region. In Polen gibt es insgesamt 600 Wisente. Sie werden auch in anderen europäischen Ländern gezüchtet, nachdem Polen viele Tiere verschenkt hat. Die Vorfahren sämtlicher heute in der ganzen Welt lebenden Wisente stammten aus Białowieża. Es ist der einzige Fall in der Geschichte, wo es gelungen ist, ein Tier dieser Größe durch Regenerierungszucht vor dem Aussterben zu bewahren. Die einzige Bedrohung für die Zukunft liegt in der engen Verwandtschaft aller existierenden Wisente, d. h. in der geringen Differenzierung ihres genetischen Materials.

Andere Tierarten wurden ebenfalls auf ähnliche Art restituiert. Für die an Weißrussland verschenkten Wisente erhielt Polen Elche, die nach 1945 nur in den Sumpfgebieten an der Biebrza lebten. Der Elch gehört zu den größten Hirscharten der Welt. In Polen ist er nach dem Wisent das zweitgrößte Tier. Ein erwachsener Elch wiegt bis zu 400 kg. Diese scheinbar plumpen Tiere fühlen sich sowohl im Weidendickicht als auch in jungen Kiefernwäldern zu Hause. Sie leben gern in Sumpfgebieten und ernähren sich vorwiegend von Weidengerten. Ihre Nahrung suchen sie auch unter Wasser - nach besonderen Leckerbissen können sie sogar ziemlich tief tauchen. Sie sind hervorragende Schwimmer. Die merkwürdigste Eigenschaft dieser Sumpfriesen ist jedoch ihre Wanderlust: Elche aus Polen haben es schon bis zum Rhein geschafft.

Auch der Biber kam nach Polen zurück. Er war einst sehr reich vertreten, wovon viele geographische Namen zeugen wie z. B. Bóbr, Bóbrek, Biebrza und Bóbrka. 1945 lebten in Polen nur noch wenige Biber. Es waren kanadische Biber, die nach Skandinavien eingeführt worden sind. Europäische Biber kamen ins Sadanauer Land / Suwalszczyzna entlang der Flüsse, die nach Litauen und Weißrussland fließen. Außerdem wurden Biber aus der russischen Zuchtstation Woronesh ins Biebrza-Tal geholt. Heute leben in Polen 10 000 Biber.


Biber
Foto: www.poland.gov.pl

Nicht ohne Grund werden diese flinken Nager als Flussarchitekten bezeichnet. Sie bauen Staudämme, damit das Wasser nicht aus ihren Bauten fließt. Ein Biberbau kann 30 m2 groß und 2 m hoch sein. Mit seinen riesengroßen Schneidezähnen kann ein ausgewachsener Biber in kurzer Zeit 30 cm dicke Bäume fällen. Es ist der größte polnische Nager, der Flussufer mit Weiden und Pappeln bevorzugt. Man vermehrt ihn in geschlossener Zucht und setzt ihn später aus. Biber leben vielerorts in der Tieflandebene, manchmal kann man ihnen auch im Hochland begegnen.

 

Bergbewohner

Die Tatra ist ein besonders tierreiches Gebiet. Hier leben Säugetiere wie Braunbär, Luchs, Wolf, Dachs, Hirsch und Reh sowie folgende Vögel: Steinadler, Schreiadler, Roter Hühnergeier, Baumfalke, Mäusebussard, Uhu, einige Eulenarten, Birkhahn, Auerhahn und Haselhuhn. Charakteristisch für die Tatra ist die Gämse. Sie ist sehr gewandt und bewegt sich äußerst geschickt auf den steilen Berghängen. Das der Ziege ähnelnde Tier kann angesichts seiner graziösen und eleganten Bewegungen durchaus mit der flinken Antilope verglichen werden. Die Gämse wird zur Subfamilie der caprinae /Paarhufer/, gezählt, neben Reh, Hirsch, Giraffe, Antilope und Büffel. Muskulöse Beine, Hufe mit einem elastischen Innern und ein größeres Herz als bei anderen Säugetieren ermöglichen der leichten Gämse, steile Hänge zu erklettern.


Die Gämse. Foto: R. Czerwinski, www.poland.gov.pl

Im Sommer hält sie sich in den oberen Gebirgspartien auf, in der alpinen Zone über der oberen Waldgrenze - dort weidet sie auf den Tatra-Matten. Im Winter, wenn die Lebensbedingungen härter werden, steigt sie in den Hochwald hinunter, wo sie sich vorwiegend von Zweigen, Moos, Flechte und trockenem Gras ernährt. Ihr dickes, aus drei Haararten bestehendes Fell, schützt sie vor der Kälte. Im Sommer ist es rotbraun und sie hat einen schwarzen Streifen auf dem Rücken, im Winter schwarzbraun. Das Schwarz soll die warmen Sonnenstrahlen einfangen.
Die Gämsen werden morgens und abends am aktivsten. Im Mai und im Juni kommen einzelne Junge zur Welt. Erwachsene Männchen leben allein, Jungen und Weibchen in kleinen Herden. In der polnischen Tatra wurden entlang des gesamtes Hauptgrates zehn Herden gezählt. Vier davon sind "Gemeinschaftsherden", die sowohl in Polen als auch in der Slowakei leben.
In der polnischen Tatra steht die Gämse seit 1869 unter Schutz. Seit 1957, als 77 Exemplare gezählt wurden, führt der Tatra-Nationalpark jährlich eine Gämsenzählung durch. Ende 2001 lebten im Nationalpark 70 Gämsen, davon 25 in der Hohen und 45 in der Westlichen Tatra. Auf der slowakischen Seite leben 200 Gämsen. Die Gämse gehört zu den stark bedrohten Tierarten. Neben der Gämse ist das Murmeltier Symbol des Tatra-Nationalparks. Diese sympathischen Nager wohnen in Kolonien auf den hoch gelegenen Tatra-Matten. Sie graben sehr tiefe Baue mit mehreren Kammern, in denen die ganze Kolonie Winterschlaf hält. Dann senken sie ihre Körpertemperatur auf 4,6-7,6°C, atmen zwei- bis dreimal pro Minute und reduzieren ihren Herzschlag auf zehn Schläge pro Minute. Im Wachzustand haben Murmeltiere einen gesunden Appetit. Sie fressen Gras, Kräuter und Wurzeln. Während die Kolonie ungestört futtert, beobachtet ein Tier aufmerksam die Gegend - bei Gefahr pfeift es laut. Auf dieses Alarmzeichen reagiert übrigens auch die Gämse.
Das in der Tatra vorkommende Murmeltier ist kleiner und heller als das der Alpen. Der Bestand wurde durch Jagen und Abfangen stark verringert. Sein Fett war in der Naturmedizin sehr gefragt. Eine vor einigen Jahren durchgeführte Untersuchung des Bayer-Konzerns konnte jedoch keine besonderen Heilwirkungen dieses Fettes feststellen. Trotzdem wird es immer noch von Wilderern gejagt. In Polen ist es streng geschützt. Es gehört zu den ersten, schon 1869 unter Schutz gestellten Tierarten. Gegenwärtig leben 200 Murmeltiere in der Tatra.
Im höchsten Gebirge Polens leben mehrere Braunbären. Problematisch ist das Verhalten mancher Menschen ihnen gegenüber. Einige Touristen lechzen geradezu nach dem Kontakt mit der wilden Natur. Sie verhalten sich manchmal irrational und provozieren Begegnungen mit wilden Tieren. Nationalparkmitarbeiter raten, die Braunbären zu meiden, sie nicht zu füttern, keine Essensreste außerhalb der Abfallkörbe und keinen Proviant in parkenden Autos liegen zu lassen. Nach 1945 gab es zehn Braunbären in Europa. In Polen leben heute 100, das sind genauso viel wie in der gesamten EU. Im Bieszczady-Gebirge, einem für europäische Verhältnisse riesengroßen wilden Gebiete gibt es etwa 60 Exemplare. Außerhalb von Tatra und Bieszczady-Gebirge leben Braunbären in Polen nur noch auf dem Berg Babia Góra in den Beskiden. Trotz der scheinbaren Schwerfälligkeit bewegen sie sich gewandt und schnell und erreichen auf kurzen Strecken bis zu 65 km/h.
In den entvölkerten Gebieten des Bieszczady-Gebirges konnten Wölfe die Zeit der rücksichtslosen Ausrottung überleben. Hier gibt es polenweit die meisten Wölfe. Sie jagen vor allem Hirsche, Rehe und Elche. Auf der Suche nach Nahrung können sie am Tag bis zu 40 km laufen. Sie spielen eine große Rolle, weil sie schwache und kranke Tiere fressen. Es kommt vor, dass sie im Winter Schafe reißen. Deswegen fordert ein Teil der Landwirte der Bieszczady-Region, die Zahl der Wölfe durch Abschussgenehmigungen zu verringern.
Im Bieszczady-Gebirge leben auch Luchs, Wildkatze, Fischotter, Uhu und Fuchs. Ferner sind hier seltene Raubvogelarten wie Steinadler und Wanderfalke zu Hause. Die Steinadler beherrschen den Himmel über den Karpaten. Diese herrlichen Vögel lebten einst auf der gesamten polnischen Tiefebene und in ganz Europa. Da die alten Waldbestände in den Tieflandwäldern nicht mehr existieren, lebt dieser Vogel heute hauptsächlich in den Bergen. In Polen gibt es nur 15 Steinadlerpaare, die meisten in den Karpaten. Ihr zweiter Lebensraum sind die Masuren.
Der Steinadler wird 90 cm lang und 4 kg schwer. Seine Flügelspannweite überschreitet 2,2 m, sein Gefieder ist dunkelbraun, der Schwanz schwarz. Nur Kopf und Nacken schimmern goldfarbig. Das Weibchen ist viel größer als das Männchen. Der Adler fängt mittelgroße Säugetiere und Vögel, die er mit seinen Krallen hochhebt und dann auf die Erde aufprallen lässt. Die tote Beute bringt er dann in sein Nest. Er frisst auch von Aas. Im Sturzflug erreicht er 160 km/h. Seine Nester baut er an Felsenhängen oder in hohen Baumkronen. Er kann 100 Jahre werden. Die meisten Adlerpaare haben mehrere Nester, die sie abwechselnd nutzen. Ein Nest, das über mehrere Saisons benutzt worden ist, kann einen Durchmesser von 2 m haben und 1,5-2 m hoch sein. Das Weibchen legt zwei Eier, die sie 41-45 Tage ausbrütet. Die Jungvögel bleiben etwa 80 Tage im Nest. In Polen ist der Steinadler streng geschützt. Spezielle Vorschriften bestimmen den Abstand von den Steinadlernestern zu Gebieten, in denen Forst- oder Landwirtschaft betrieben werden darf.


Orzeł Bielik (der Seeadler)
Foto: M. Czasnojc
www.poland.gov.pl

Der Ahnherr des polnischen Wappens ist wahrscheinlich der Seeadler als der größte polnische Raubvögel. Er nistet im Norden des Landes, hauptsächlich auf der Insel Wollin und nahe der Ostseeküste. Ähnlich wie beim Steinadler stehen nicht nur diese Vögel unter Schutz, sondern auch ihre Brutstätten. Der Seeadler wird bis 95 cm lang, seine Flügelspannweite erreicht 250 cm, er wird bis zu 6 kg schwer. Das Gefieder hat unabhängig vom Geschlecht die gleichen Farben: der Kopf und der Hals sind beige, der Rücken, die Flügel und der Bauch dunkelbraun und der Schwanz ist weiß. Der Seeadler fängt vorwiegend Fische und Wasservögel, z. B. Enten, Gänse und Haubentaucher. Er ernährt sich auch von Aas. Seine Nester baut er in den Kronen hoher Bäume, auf Felsenvorsprüngen oder direkt auf der Erde, auf kleinen Inseln, auf denen keine Raubtiere leben.
Der kleinste polnische Adler ist der Schreiadler. Die Spannweite seiner Flügel beträgt 160 cm. Er lebt in den Beskid Niski, dem wildesten und größten Teil der polnischen Beskiden.

 

 

Fledermäuse: 1000 Mücken in einer Nacht

Polen besitzt das europaweite einzigartige Fledermausreservat "Nietoperek" wo jährlich mehrere tausend Tiere überwintern. Dazu gehört ein unterirdisches Fragment des Międzyrzecki Rejon Umocniony / Meseritzer Gebietes im Westen von Wielkopolska / Großpolen, das von den Deutschen 1925-41 aus Eisenstahlbeton erbaut wurde. Das 30-50 m unter der Erde liegende Labyrinth aus langen Fluren ist ein Zufluchtsort für diese faszinierenden Tiere, die übrigens weltweit am wenigsten erforscht sind.
Die Fledermaus ist das einzige Säugetier, das fliegen kann. Sie kommt bereits seit 55 Mio. Jahren auf der Erde vor. Sie baut sich keine Behausung, sondern wohnt in Felsen- und Baumhöhlen sowie auf Dachböden. Am Tage schläft sie, um dann nachts aktiv zu werden. Den Raum erkundet sie weder mit den Augen noch mit dem Geruchsinn, sondern mit Ultraschallwellen. Sie ist sehr nützlich, weil sie pro Nacht mehrere Tausend Insekten, darunter auch viele Pflanzenschädlinge vertilgt. Man kennt über 900 Fledermausarten, von denen 21 in Polen auftreten. Die kleinste in Polen lebende Art ist die Zwergfledermaus. Sie wiegt 5 g, hat 20 cm Flügelspannweite und frisst pro Nacht etwa 1000 Mücken.
Zwei der in Polen vorkommenden Arten - Zwergfledermaus und Blattnase - halten Winterschlaf. Dann sind sie vollkommen wehrlos. Ihre Körpertemperatur passt sich der Temperatur der Umgebung an, die Lebensprozesse verlaufen langsamer: Puls und Atemfrequenz nehmen ab. Den Winter überlebt die Fledermaus mühelos, da das im Herbst gespeicherte Fett nur langsam abgebaut wird. Wenn man sie in dieser Phase zu oft weckt, kann sie sterben, weil das Aufwachen jeweils mit großen Energieverlusten verbunden ist. Im Winterschlaf erinnert sie an ein Gerät im Stand-by-Betrieb - sie erwacht, wenn sich das Klima ändert. Wenn es zu warm oder zu kalt wird oder wenn die Luftfeuchtigkeit sinkt, sucht sie sich eine andere Schlafstätte. Ihre Körperoberfläche ist im Verhältnis zu ihrem Gewicht sehr groß - daher ist die Erhaltung der Körperfeuchtigkeit für das Überleben wichtig. Da sie während des Schlafs keine Flüssigkeit aufnehmen kann, muss sie einen Ort mit beinahe 100 % Luftfeuchtigkeit finden, z. B. Höhlen, wo auch das Mikroklima und die Temperatur stabil sind. Man findet in Polen die meisten Fledermäuse in den Höhlen der Wyżyna Krakowsko-Częstochowska / Krakau-Tschenstochauer Hochebene. Eine davon heißt sogar "Fledermaushöhle". Dort leben Blattnase und Myotis. Polens Klima erlaubt es ihnen, den ganzen Winter, der 5-6 Monate bzw. 180 Tage dauert, durchzuschlafen. So lange muss das gespeicherte Fett ausreichen, da es in dieser Zeit kaum Insekten gibt. Weiter nördlich treten Fledermäuse nicht mehr auf.

Fledermäuse sind Glücksbringer

Fledermäuse gelten im Fernen Osten als Glückssymbol. In China kennt man z. B. den glücksbringenden Talisman wu fu (fünf Fledermäuse), auf dem Fledermausflügel miteinander verflochten und ihre Köpfe nach innen gerichtet sind. Dort befindet sich der Baum des Lebens. In den indianischen Kulturen (Azteken und Mayas) stellten Fledermäuse Gottheiten dar. Die Fledermaus verkörperte den Gott der Fruchtbarkeit.

Sämtliche Fledermausarten stehen unter Naturschutz. Bereits 1868 hat das autonome Parlament Galiziens den weltweit ersten Entwurf eines entsprechenden Gesetzes ausgearbeitet, das jedoch niemals in Kraft trat. Damals hielt man Fledermäuse noch für Vögel. Heute stehen sie in fast allen europäischen Ländern unter Schutz, in Polen seit 1952. Dies musste geschehen, da ihre Zahl rapide abnahm. Oft war und ist der Mensch daran Schuld. Durch Pflanzenschutzmittel werden Insekten als Nahrungsquelle vernichtet. Man hat auch alte Häuser abgerissen, Wälder gerodet und Höhlen zerstört, so dass es immer weniger Zufluchtstätten gab.
In letzter Zeit steigt ihre Zahl wieder, weil bestimmte Insektenbekämpfungsmittel seltener verwendet werden und weil die Umwelt sauberer wird. An Fledermäusen lässt sich das gut ablesen. Die Beobachtung ihrer Verhaltensweise kann zu einer spezifischen Art der Umweltüberwachung werden.

Drei Vampir-Arten

Hinsichtlich ihrer Ernährungsweise unterscheiden sich manche Fledermausarten sehr voneinander. Manche bevorzugen Fisch, Obst und Staub, aber es gibt auch Raubfledermäuse. Drei Fledermausarten ernähren sich vom Blut warmblütiger Wirbeltiere, also von Säugetieren und Vögeln. Sie treten ausschließlich in der tropischen Zone Süd- und Mittelamerikas auf. Die "Vampirfledermäuse" befallen hauptsächlich Pferde- und Kuhherden, indem sie ein Stück Fleisch herausbeißen und das austretende Blut auflecken. An Kühen und Pferden mangelt es in Polen keinesfalls. Warum gibt es hier also keine Vampire? Blut ist sehr kalorienarm und die Fledermaus ist nicht imstande, so viel davon zu verzehren, dass ihre Wärmeregulierung auf entsprechendem Niveau bleibt. Blut ist einfach keine besonders gute Nahrung. Da es in den Tropen sehr warm ist, braucht die Fledermaus weniger Nahrung, um ihre Körpertemperatur stabil zu halten. Deshalb leben die Vampire in Südamerika nahe des Äquators.

Die Fledermausweibchen bringen meist nur ein Junges zur Welt. Die Tragezeit dauert etwa acht Wochen und ist von der Temperatur abhängig. Die in unserem Klima lebenden Fledermäuse sind zu einer Zeit trächtig, in der es auch Nahrung gibt. Ihre Fortpflanzungskolonien entstehen im Mai und die Jungen kommen etwa Mitte Juni zur Welt. In den Tagen nach der Geburt trägt das Muttertier das Junge noch am Körper. Innerhalb von 6-7 Wochen werden die Jungen selbständig, flügge und jagdfähig. Ende Juli, Anfang August zerstreut sich die Kolonie. In dieser Zeit leben die Männchen allein.

 

Polen - ein Vogelparadies

In Polen gibt es 406 Vogelarten, darunter 232 Brutvögel. Ein Viertel der Vögel ist ganzjährig im Lande. Einige nördliche Vogelarten verbringen hier den Winter. Im Sommer kommen viele Schwäne und Störche hier her.
Zu den häufigsten Vogelarten Polens zählen: Blässhuhn, Doppelhaubentaucher und Stockente. Unter den Nist- und bleibenden Vögeln, sind 21 Arten europäischer, 14 arktischer und 118 sibirischer Abstammung. Die übrigen Arten stammen aus dem Süden und verbringen den Winter in Südafrika.
Der Biebrza-Talkessel / Kotlina Biebrzanska ist ein Vogelparadies. Er gehört mit seiner Natur zu Polens ungewöhnlichsten Regionen, ist das wertvollste Sumpf- und Torfgebiet und ein wichtiges Vogelbrutgebiet in Europa. Hier leben 263 Vogelarten, darunter 185 Brutvogelarten. Während der Brutperiode und in der Zeit der Vogelzüge erscheinen hier Unmengen von Vögeln. Im Frühling und im Herbst sind es riesige Scharen von Gänsen, Enten, Kranichen, Kampfläufern und Strandläufern. Ihr lauter Flügelschlag und ihr Geschnatter sind weit hörbar.
Für Wasser- und Sumpfvögel ist das Biebrza-Tal eine der letzten Zufluchtstätten, da die Mehrheit der ursprünglichen Sümpfe Europas entwässert wurde. Auch die Raubvögel scheinen diese Gebiete zu bevorzugen - an der Biebrza gibt es mit 25 Arten europaweit die meisten Raubvögel. Zahlreich vertreten sind auch Vögel, die für die Tundra und Taiga typisch sind. Hier verläuft ihre südliche bzw. westliche Lebensraumgrenze, sie bilden hier Inselpopulationen außerhalb ihres ursprünglichen Lebensraumes.
Von den 56 in Polen vom Aussterben bedrohten Vogelarten sind 21 an der Biebrza ansässig. Es sind u. a.: Rohrdommel, Spießente, Breitschnabel- und Schreiadler, Strandläufer, Doppelschnepfe, Waldstelze, Brachvogel, Seeschwalbe, Sumpfeule und Blauracke. Die Populationen dieser seltenen Vogelarten sind mitunter sehr zahlreich, manche gehören sogar zu den größten in West- und Mitteleuropa. Einige von ihnen, z. B. die aus 2000 Paaren bestehende Biebrza-Population des Rohrsängers, eines kleinen Singvogels, gelten weltweit als die größten. An der Biebrza gibt es 300 Nester des Kampfläufers, im übrigen Mitteleuropa dagegen nur 140. In Mitteleuropa wurden keine Standorte der Doppelschnepfe gefunden - an der Biebrza fand man hingegen etwa 400 Männchen.
Ein besonderes Ereignis ist die Balz der Doppelschnepfe. Sie beginnt am Abend und dauert bis in die späte Nacht hinein. Die Doppelschnepfe steigt auf ein Riedgrasbüschel, steht mehrere Minuten unbeweglich und holt tief Luft. Dann lässt sie einen Laut los, der kilometerweit hörbar ist. Im Kulminationsmoment flattert sie mit den Flügeln, und dann erstarrt sie wieder. Auf diese Weise markiert sie ihr Territorium.
Sehr effektvoll balzt auch der große und relativ seltene Auerhahn, der vor allem im Solska-Urwald / Puszcza Solska lebt. Er fächert seinen Schwanz auf und singt ein vierstrophiges Lied. Bei der letzten Strophe, während des so genannten Schleifens, verliert er für einen Moment seine Sehkraft und sein Gehör. Jagd, Wilderei und forstwirtschaftliche Tätigkeit haben den Auerhahnbestand stark verringert. Man schätz ihn auf nur noch einige Hundert Exemplare. Sie leben vorwiegend in Fichtenwäldern. Das mit ihm verwandte Haselhuhn lebt hauptsächlich in Gebirgswäldern.
Der Auerhahn lebt u. a. in der Tucheler Heide / Bory Tucholskie. Dort kommen auch andere seltene Arten wie Schwarzstorch, Birkhahn und Kormoran vor. Seltene und bedrohte Arten leben auch in der Region Polesie: u. a. Weihe, Brachvogel, Pfuhlschnepfe, Uferschnepfe, Birkhahn, Sumpfeule und Kranich. An den Masurischen Seen nisten Graureiher, Graugans, Fischadler und Mäusebussard. Der See Luknajno im Land der großen Masurischen Seen ist ein weltweit anerkanntes Biosphärenreservat und gehört zu Europas größten Brutstätten des Höckerschwans. Immer häufiger begegnet man auch der Silbermöwe - der größten in Polen nistenden Möwe, deren Flügelspannweite 1,5 m erreicht. Vor 30 Jahren gab es in Polen nur zwei Silbermöwenkolonien. Gegenwärtig hat sich ihre Zahl und ihr Lebensraum bedeutend vergrößert.
Von großer Bedeutung ist für die Zugvögel auch das Mündungsgebiet der Warthe in die Oder, das zu einem Reservat gehört und 200 Vogelarten beheimatet. Die Hälfte von ihnen sind Brutvögel. Hier nisten auch viele Wasservögel in großen Kolonien. Es gibt hier 12 000 Lachmöwen, 28 000 Blesshühner und 4000 Stockenten. Besonders groß ist die Kolonie der Kormorane mit 500 Nestern. Es ist ferner der größte mitteleuropäische Lebensraum der Graugans.

 

Näher am Menschen

Viele Tiere sind mit Landschaften verbunden, die vom Menschen geschaffen wurden. Auf Wiesen brüten Vögel und auf den Feldern leben Mäuse, Wühlmäuse (vor allem Feldmäuse), Hamster und Rebhühner. In Stadt und Land leben Hausmäuse, Spatzen und der schwalbenähnliche, flinke Mauersegler, der bis zu 170 km/h fliegen kann. Er gehört nach Taube und Spatz zu den Vögeln, die am häufigsten in Warschau vorkommen, obwohl er aus Felslandschaften stammt.
Die Schwalbe baut ihr Nest aus Lehm und Speichel meist unter Hausdächern auf dem Lande. Die Fensterschwalbe klebt ihren halbrunden Bau an Hauswände und die Rauchschwalbe nistet dagegen an Wirtschaftsgebäuden wie z. B. an Ställen. Ihr Nest hat ein sehr breites Einflugloch.
Einige Tierarten sind den Menschen nähergerückt. Typische Waldvögel siedelten in Städte über: der Star Ende 19., Anfang 20. Jh., die Amsel in der Mitte des 20. Jh. und noch später kam die Elster. Ähnliches gilt für Ringeltaube, Turmfalke und Krähe. 1943 erschien in Polen die Türkische Lachtaube, die seit etwa 1920 aus dem europäischen Teil der Türkei immer mehr nach Nordwesten vorrückte und sich immer nur in Städten niederließ. In den Stadtparks haben auch Schwäne ihr Zuhause. Dort kann man immer öfter Waldvögel beobachten wie Specht, Fliegenschnäpper und Drossel. Selbst die Bachstelze, die an Berge gewöhnt ist, fühlt sich in Warschau zu Hause - ihre Brutstätte verlegt er erst, wenn ihr z. B. die Metro-Bauarbeiter zu nahe rücken. Gegenwärtig erobern Möwen die Städte. Ihre Nester wurden u. a. auf Hausdächern des Seebads Kołobrzeg / Kolberg und im 18 km von der Ostsee entfernten Slupsk / Stolp gesichtet.
Viele Vogelarten hat der Mensch nach Polen gebracht. Amerikanischer Nerz, Marderhund und Bisamratte sind Flüchtlinge aus Pelztierfarmen, die vor etwa 75 Jahren aus Tschechien nach Polen kamen. Andere Tierarten wurden als Jagdtiere eingeführt: Fasan, Mufflon (ein Vorfahre des Schafs, der in den Sudeten / Sudety und im Heiligkreuzgebirge / Góry Świętokrzyskie vorkommt), Damhirsche und Ost-Hirsche.

 

Flüsse, Seen und die Ostsee

Die großen Flüsse Polens sind stark verschmutzt und bieten Fischen keine guten Lebensbedingungen. In den kurzen Flüssen in Pomorze / Pommern und in den Masuren / Mazury sowie in Gebirgsbächen leben Forellen. Zur Laichzeit verweilen hier Seeforellen - eine "wandernde? Abart des Lachses (auch Lachsforelle genannt). Wegen dieses Fisches ist der gesamte, über 200 km lange Fluss Drwęca und der ein wenig kürzere Pasłęka zum Naturreservat erklärt worden. In der durch die Wälder von Pomorze / Pommern fließenden Drawa laichen Lachse. Dieser Strom gehört zu den reinsten Flüssen des Landes.
Für die reinen Gewässer sind Ukelei und Plötze typisch. Die Plötze gehört zu den am häufigsten in Polen vorkommenden Fischarten und tritt mit Ausnahme steiler Gebirgsbäche überall auf. Häufige anzutreffen sind auch Schleie, Karpfen, Barsch, Hecht, Aal und Brasse, die meist in flachen und warmen Flussunterläufen zu finden ist. Der mit dem Barsch verwandte Zander kann einige Kilogramm schwer werden. Sehr widerstandsfähig sind Karauschen, seit kurzem gibt es auch wieder Welse, die zu den größten Süßwasserfischen Europas gehören. Manchmal gelingt es den Anglern, etwa 30 kg schwere Exemplare zu fangen. In mittleren Flussläufen lebt die Barbe. Sie benötigt sehr sauberes Wasser und eine schnelle Strömung, daher ist sie in Polen ziemlich selten. In reinen und tiefen, sauerstoffreichen Seen leben Zander, Renke und Maräne. Die Renke ernährt sich von Plankton und schwimmt der Ernährung wegen fast an die Wasseroberfläche. Je nahrungsreicher ein See wird, desto mehr wird sie von anderen Fischarten verdrängt. In kühlem Wasser der nordöstlichen Seen fühlen sich Quappe und Schlammspeitzker am wohlsten. Der See Morskie Oko / Meeresauge ist der einzige See der Tatra, in dem eine natürliche Fischbrut stattfindet. Hier leben Forellen und früher gab es hier auch den Dunajec-Lachs, d. h. die nach dem Fluss Dunajec benannte Lachsforelle.
Die Ostsee ist wegen ihres niedrigen Salzgehalts sehr tierarm. Das Wasser der Ostsee enthält fünfmal weniger Salz als die Nordsee oder der Atlantik. Daher treten hier keine meerestypischen Tiergruppen wie Stachelhäuter und Kopffüßer auf. Es gibt hier nur wenige Arten von Schnecken und Muscheln und nur eine Medusenart. Muscheln und Quallen werden in der Ostsee nur halb so groß wie in der Nordsee.
Zahlreich vertreten ist ein dem Tausendfüßler ähnelndes Krustentier - ein Relikt aus der Eiszeit. Die häufigsten Ostseefische sind Hering und Dorsch. Gefischt wird nach Sprotten, einigen Flunderarten und nach Lachs. Die Graue Seerobbe, die einst zahlreich an der Zatoka Gdańska / Danziger Bucht vertreten war, lebt heute nur noch in der nördlichen Ostsee. An der polnischen Küste erscheinen sporadisch Grau-, Gemeine und Ringelrobbe sowie der Schweinwal (Tümmler). Wale treten in der Ostsee kaum auf. Nur sporadisch wurden vereinzelte Exemplare gesichtet. Die Ostsee bietet Walen zu wenig Nahrung und ist für sie zu flach. Außerdem sind die dänischen Meeresengen, die in die breiten Ostseegewässer führen, für Wale schwer passierbar.

Quelle: www.poland.gov.pl

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