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MASOWIEN UND PODLACHIEN

Mazowsze (Masowien) ist ein historisch-ethnographisches Gebiet in Mittelpolen. Es liegt beiderseits der Wisła /Weichsel/ in der Nizina Mazowiecka /Tiefebene Masowiens/, einer der größten geographischen Landschaften Polens. Nizina Podlaska /die Tiefebene von Podlachien/, die in der Gabelung der Flüsse Narew und Biebrza und im mittleren Lauf des Flusses Bug liegt, stellt deren natürliche Verlängerung dar. Man spricht sogar manchmal insgesamt vom "Tiefland von Mazowsze und Podlasie", da beide Landschaften schwer abzugrenzen sind. Mazowsze ist eines der ältesten Landesteile Polens.
Seit der Regierungszeit des ersten polnischen Herrschers, Mieszko I. waren diese Gebiete Bestandteil der Monarchie der Piasten, im 12. Jh. entstand das politisch unabhängige Fürstentum von Mazowsze (aus dieser Zeit stammen die unzähligen, gewaltigen Burgen und Kirchen). Im 16. Jh. wurden sowohl Mazowsze als auch Podlasie dem polnischen Staat angeschlossen und gingen unter die Herrschaft von Zygmunt Stary über. In dieser Zeit erlebten die an den Handelstrassen situierten Städte - Warszawa /Warschau/, Pultusk, Plock und Lomza ihre größte Blüte. Die zentrale Lage der immer reicheren Stadt Warschau war von großer Bedeutung für die Entwicklung der Stadt als eines politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zentrums. 1596 verlegte Zygmunt III Waza /Sigismund Wasa d. III) den Sitz des königlichen Hofes von Krakow /Krakau/ nach Warschau.
Die neue Hauptstadt ist im 17. Jh. von Kriegen und Epidemien geplagt worden - die Stadt wurde zerstört, das Vermögen geraubt, und von den 20 Tsd. Einwohnern überlebte nur ein Zehntel. Im 18. Jh. haben die Könige August II. d. Starke und Stanislaw August Poniatowski Warschau erneut erblühen lassen - ihre schöne Bebauung hat die Stadt vor allem ihnen zu verdanken. Poniatowski, ein Mäzen der Kunst und der Künstler, ließ zahlreiche talentierte Architekten in die Hauptstadt kommen. Sie entwarfen neue Gebäude und bauten die bereits vorhandenen um. Gleich danach kam es jedoch zu der Teilung Polens. Sowohl Mazowsze als auch Podlasie sind zwischen Österreich und Preußen aufgeteilt worden. 1807 wurden sie zum Bestand des Warschauer Fürstentums und 1815 sind sie dem Königreich Polen angeschlossen worden. 1918, nach 123 wurde Warschau erneut zur Hauptstadt eines unabhängigen, souveränen Staates und zu einem wissenschaftlichen und kulturellen Zentrum mit Weltniveau. Während des 2. Weltkriegs haben die Deutschen die Stadt fast dem Boden gleich gemacht. Nach dem Krieg wurde sie zwar wieder aufgebaut, verlor jedoch für immer ihr altes Antlitz und wurde zu einer durch und durch modernen Stadt, in der mühsam nach den Spuren der Geschichte gesucht werden muss.
Warschau ist mit den vielen Attraktionen: historischen Sehenswürdigkeiten, Museen, Theatern, Galerien und Handelseinrichtungen der stärkste Anziehungspunkt, der die Touristen nach Mazowsze lockt. Die zweite Ortschaft internationalen Ranges ist Zelazowa Wola. Es lohnt sich jedoch ebenfalls Lodz zu besuchen, sei es auch nur um durch die Piotrkowksa-Strasse, den längsten Handelstrakt Europas zu schlendern, wo sich die meisten Pubs, Nachtlokale und Restaurants Polens befinden.
Vor allem wartet jedoch auf den Touristen in Mazowsze und Podlasie die herrliche, europaweit unikale Natur.


Wissenswertes

Warschau ist seit 1596 Hauptstadt Polens. Frühere Hauptstädte waren: Gniezno /Gnesen/, Poznan /Posen/ und am längsten, fünf Jahrhunderte lang - Krakow /Krakau/.

 

DIE NATUR: URWÄLDER UND SÜMPFE

Die Landschaft der Tiefebene von Mazowsze ist flach und monoton. Die einzige Abwechslung bilden lediglich die sich entlang der kleinen Bäche und Flüsse ziehenden Weidenreihen. Noch im Mittelalter war der größte Teil dieser Region ein riesiger Urwald, in dem Großjagden organisiert wurden. Seit der damaligen Zeit hat sich hier vieles verändert - das flache Agrarland Mazowsze gehört gegenwärtig zu den am schwächsten bewaldeten Gebieten Polens (18,9%), auf dem jedoch Reste ehemaliger Urwälder erhalten geblieben sind.
Die Natur von Podlasie ist ganz anders. Nordöstlich von Warschau liegt das von Touristen noch nicht überlaufene Gebiet mit zahlreichen unikalen Attraktionen, u.a. mit dem fast in seiner ursprünglichen Gestalt erhaltengebliebenen Urwald von Bialowieza und mit den pflanzen- und tierreichen Sumpfgebieten der Flusstäler der Narew und Biebrza.

Der Urwald von Kampinos: Dünen und Elche

An der nordwestlichen Stadtgrenze Warschau beginnt der herrliche Urwald von Kampinos. Die unmittelbare Nachbarschaft eines unter Naturschutz stehenden Gebietes von dieser Größenordnung und Rang mit einer Großstadt ist weltweit eine Seltenheit. Der überwiegend aus dem Westen wehende Wind treibt die saubere Luft aus dem Urwald in die Warschauer Region, was sich sehr günstig auf die Qualität der Luft der Hauptstadt auswirkt. Fachleute sind der Meinung, dass sich die Stadt dank dessen bis heute außerhalb ökologischer Gefahr befindet. 1959 wurde innerhalb des Urwaldes Kampinoski Park Narodowy /Der Nationalpark von Kampinos/, der zweitgrößte Nationalpark Polens gegründet (38,5 Tsd. ha).
Im Urwald von Kampinos wird die europaweit einzigartige Ansammlung von Binnenlanddünen - natürliche Pflanzengesellschaften mit über 60 unter Naturschutz stehenden Pflanzenarten und reicher Tierwelt geschützt. Der Sandboden ist mit Kiefernwald und mit Wacholder bewachsen. Die ältesten Bäume sind 200 Jahre alt. In den Mulden zwischen den Dünen herrschen Laubbäume vor: Eichen, Birken, Espen und Hainbuchen. Vom Süden und Norden sind die Dünen von feuchten und sumpfigen Gebieten umgeben, auf denen vordergründig Erlen, Birken und Eschen wachsen. Eine botanische Seltenheit ist die schwarze Birke. Im Unterholz blühen im Frühling weiße Anemonen, in den Sumpfgebieten Dotterblumen und Schwertlinien.
Früher lebten im Urwald mächtige Auerochsen, Bären und Wisente. Die Anfang des 19. Jh. ausgestorben Elche brachte man nach dem 2. Weltkrieg aus der Sowjetunion in den Park, in dem sie sich inzwischen wie zu Hause fühlen. Gegenwärtig gibt es hier etwa 150 Elche. Den Urwald bewohnen außerdem Wildschweine, Rehe, Füchse, Dachse, Hermeline, Hasen, Wiesel, Marder und Iltisse. 1980 sind im Urwald erneut Biber angesiedelt worden, gegenwärtig leben in mehreren Biberbauten etwa 100 Exemplare. 1992 sind in das Ökosystem Luchse eingeführt worden, z.Z. gibt es hier etwa 15 davon. In den Sumpfgebieten nisten verschiedene Vögel - Kraniche, Reiher, Graureiher und Störche. Besonders wertvolle Exemplare der Tier- und Pflanzenwelt werden in 23 Sonderreservaten geschützt.
Landschaftsparks und Reservate sind auch in den anderen Urwäldern von Mazowsze verstreut - Kamieniecki, Kurpiowski, Bialy und Bolimowski, in dessen Nähe (im nicht mehr existierenden Urwald Jaktorowski) 1627 der letzte Auerochse in Polen getötet worden ist.

Wissenswertes

Der Auerochse, ein gewaltiges (Körperlänge 3,2 m, Größe im Widerrist 1,9 m, Gewicht 800 kg) ausgestorbenes Säugetier mit gewundenen Hörnern, ein Vorfahre des Hausviehs, dessen einige Arten einst die Waldgebiete Eurasiens und Nordafrikas bewohnten, lebte am längsten in Polen, in Mazowsze. Bereits im 14. Jh. stand er als sog. königliches Jagdvieh unter rechtlichem Schutz (nur der König durfte ihn jagen). Trotzdem lebten Mitte des 16. Jh. nur 50 Auerochse und 1627 wurde das letzte Exemplar getötet.


Der Urwald von Bialowieza: im Königreich des Wisents

Der Urwald von Bialowieza liegt ca. 200 nordöstlich von Warschau. Es ist das letzte natürliche Fragment eines Tieflandurwalds in Europa. Er hat eine Fläche von 150 Tsd. ha (65 in Polen, der Rest in Weißrussland). Der älteste polnische Nationalpark von Bialowieza (gegründet 1932) wurde auf die Liste der Reservate der Biosphäre und des Weltnaturerbes der UNESCO gesetzt (er figuriert als einziger polnischer Nationalpark auf diesen beiden Listen). Die Ökologen schlagen seit langem vor, den gesamten Urwald als Nationalpark gelten zu lassen (bisher steht nur ein Teil unter Naturschutz), was auf der weißrussischen Seite bereits geschehen ist. Diese Angelegenheit konnte jedoch bislang nicht gelöst werden.
Die den Urwald betreffenden Zahlen sind imposant: im Nationalpark von Bialowieza gibt es 21 Baumarten (im gesamten Urwald von Bialowieza 26) und 56 Sträucherarten. Die Pflanzenwelt des Parks wird auf fast 5000 Arten geschätzt, darunter u.a. über 3000 Pilzarten (fast 430 Hutpilzarten), 277 Flechten- und fast 200 Moosarten. Einige von ihnen gibt es nur im Urwald von Bialowieza. Bisher sind im Urwald 11 559 Tierarten (darunter 9284 Insektenarten) gezählt worden. Die berühmtesten Vertreter der Tierwelt von Bialowieza sind die in freier Wildbahn lebenden Wisente, Wölfe, Luchse, Elche, Wildschweine, Flussotter und Hermeline. Der Urwald ist auch ein Zufluchtort für Vögel. Schwarze Störche, Kraniche, Auerhähne, Birkhähne, Schneeeulen und Uhus sind eine Attraktion nicht nur für die diese Gebiete zahlreich besuchenden Vogelkundler.

Wissenswertes

Die letzten, seit Jahrhunderten im Urwald lebenden Wisente sind 1919 gestorben. 1923 entstand dank Prof. Jan Sztolcman die Internationale Gesellschaft für den Schutz des Wisents mit dem Sitz in Frankfurt am Main, die beschloss, die natürliche Herde von Bialowieza aus nur drei in Gefangenheit lebenden Tieren wiederherzustellen. Nach dem Krieg sind die Wisente in freie Wildbahn ausgesetzt worden. Gegenwärtig leben im Urwald etwa 450, davon in Polen ca. 240 dieser Tiere.
Der Wisent ist das größte europäische Säugetier (Körperlänge 2,7 m, Größe im Widerrist 1,8 m, Gewicht 850 kg). In Polen leben insgesamt etwa 700, weltweit 3000 Exemplare. Der Wisent, der im Roten Buch der IUCN (Internationale Union für Naturschutz und Naturressourcen) auf der Liste der aussterbenden und bedrohten Tierarten steht, steht in allen Länder unter vollkommenem Artenschutz.

Außer dem Nationalpark von Bialowieza gibt es im Urwald 21 Naturschutzgebiete. U.a. gibt es hier das Tiervorzeigreservat. In großen Gehegen wurden ähnliche Lebensbedingungen für die Tiere geschaffen, in denen sie in freier Wildbahn leben würden. Die Hauptattraktion des Reservats ist der Wisent, man kann hier jedoch Wildschweine, Elche, Wölfe, Rehe, Hirsche, mächtige Wisentpferde (Kreuzung des Wisents mit dem Hausvieh) und polnische Pferdchen sehen.
Eine Attraktion ist auch Bialowieza - ein altes Dorf im Urwald mit Holzbohlenhäusern und einer orthodoxen Kirche (cerkiew). Die Mehrheit der 2 Tsd. Einwohner ist russisch-orthodox. Bialowieza ist sowohl ein Zentrum des Tourismus als auch der Wissenschaft, wahrscheinlich die "am besten ausgebildete” Ortschaft Polens - der Prozentsatz der Wissenschaftler (hauptsächlich Naturkundler) ist hier "wahnsinnig" hoch.
Interessant ist der in der Nähe von Bialowieza gelegene Ort der Kraft. Zwischen Eichen und Kiefern mit mehreren Stämmen, die einer Wurzel entwachsen, befindet sich ein steinerner Kreis. Die Wünschelrutengänger behaupten, dass er ein überaus starkes, sich auf den Menschen positiv auswirkendes magnetisches Feld erzeugt - die eigenartige, von dem Stein ausgehende Energie beseitigt die Erschöpfung und lindert Schmerzen. Die Wünschelrutengänger haben festgestellt, dass Bialowieza auf einer ganz Europa durchquerenden Strahlungslinie liegt, die u.a. Gniezno /Gnesen/ mit dem legendären Kultusort im Harz und mit der westfälischen Kapelle der Sekte der Katarren in Druggelte verbindet.


Narew und Biebrza: polnisches Amazonien

Der nordöstliche Teil der Tiefebene von Podlasie gehört zu den schönsten und wildesten Ecken des Landes. Im Biebrza-Kessel und -Tal befindet sich das größte und am besten erhaltene natürliche Moorgebiet Europas, das auch durch die RAMSAR-Konvention erfasst wird, die die für Wasser- und Sumpfvögel besonders wichtigen Gebiete schützt. Dieses Gebiet steht ebenfalls unter dem Schutz des größten Nationalparks in Polen (59 Tsd. ha) - Biebrzanski Park Narodowy.
Im Park befinden sich Wasser-Biotope, Sümpfe, verwachsenes Gebüsch und Wälder. Die Flora ist zonenartig gestaltet. Am Flussufer verläuft die Schilfrohrzone, in alten Flussbetten wachsen Wasserpflanzen (z.b. weiße Teichrosen). Die nächste Zone bilden Wasseraustrittgebiete, die in grasbewachsene Flächen mit niedrigem Gebüsch übergehen, Moose und Riedgras auf Torfboden. Hier findet man Relikte aus der Eiszeit: Torfsteinbrech, Sonnentau, königliches Läusekraut und blaues Sperrkraut. Dahinter wachsen Erlen, Birken, Fichten- und Kiefernwälder.


Sonenaufgang
über Biebrza-Tal
Foto:GA
www.poland.gov.pl

Die Sümpfe an der Biebrza sind der größte polnische Zufluchtsort der Elche (im 2500 ha großen, unter strengem Naturschutz stehenden Gebiet "Roter Sumpf" leben 500 Exemplare). Es mangelt hier auch nicht an Bibern (der Flussname Biebrza stammt vom "Biber"), Hirschen, Rehen, Wildschweinen und Flussottern. In den Sümpfen leben auch Wölfe, Füchse, Marder, Marderhunde, Wiesel und Iltisse. Biebrza und ihre Ufer sind jedoch vor allem ein Leckerbissen für Ornithologen. Hier wohnen 269 Vogelarten, darunter 178 Brutvogelarten. Hier rasten im Frühling und Herbst die Zugvögel. Am häufigsten kommen hier selbstverständlich Wasser- und Sumpfvogelarten vor - Möwen, Seeschwalben, Höckerschwäne, zahlreiche Enten- und Gänsearten und Haubentaucher. Es ist auch der Lieblingsort weißer und schwarzer Störche, grauer Reiher und Kraniche, am Himmel kann man manchmal den Steinadler, den breitschnabligen Schreiadler erblicken, hier lebt auch der Uhu und die Wassereule.

Wissenswertes

Die Nationalparks Biebrzanski und Bialowieski wurden zur Teilnahme am internationalen Promotionspaket PAN PARK (Protection Area Network) eingeladen. Wahrscheinlich werden sie damit ins Netz der repräsentativsten Nationalparks Europas aufgenommen, deren Promotion weltweit stattfindet.

Das zweite Sumpfgebiet, ein Teil des Narew-Tales wird als "polnisches Amazonien” bezeichnet. Als eine der wenigen ruhigen Zufluchtstätten in Polen wurde sie erst kürzlich von den Touristen entdeckt. Die hiesigen Dörfer und Städtchen mit niedriger Bebauung sind schläfrig, weit ab vom Lärm der Gegenwart entfernt. Die Einheimischen haben auch erst jetzt die touristischen Vorzüge ihrer Region erkannt und wundern sich häufig, dass eine Flussfahrt mit einem Stechkahn - d.h. mit einem Boot, das mit einem Ruder (oder mit einem Stab) von 4,5 m - für jemanden attraktiv sein kann. Derweil garantiert allein der Anblick der sich bis zum Horizont ziehenden Felder und der Wasseraustrittgebiete der Narew, das Vögelgezwitscher und das Gequake der Frösche den Touristen die langersehnte Erholung.
Das Gebiet eines der letzten natürlichen, regulär überschwemmter Täler mit einem Netz sich verzweigender und wieder vereinigender, unregelmäßig verlaufender Flussbetten steht unter Naturschutz des jüngsten, erst 1996 entstandenen Narwianski Park Narodowy /Narew-Nationalpark/ (7350 ha). Auch hier sind die über 200 Vogelarten Könige - darunter auch die in Europa selten vorkommenden Pfeifenten, Pfuhlschnepfen, Kampfläufer und Grünlinge. Der Park bietet den Ornithologen echte Raritäten: z.B. schwarze Seemöwen, Rohrdommeln, Schnepfen und Uferschnepfen. An der Narew kommen Haubentaucher und Rohrsänger zur Welt - Vogelarten die weltweit vom Aussterben bedroht sind. Unter den Säugetieren verdienen die flinken Flussottern und Biber Aufmerksamkeit. Im Park gibt es ebenfalls einige Elche, Waldmarder, Hermeline und Wiesel. Es ist auch der Wohnort wunderschöner Libellen und Lurche: Lachfrösche, Flachlandunken, und Wassermolche. In den Gewässern gibt es über 20 Fischarten, darunter Hechte, Karauschen, Schleien, Karpfen, Brassen und Welse.
Die Gebiete um die Narew und Biebrza sind zwar in gewisser Weise eine Wildnis, sie sind jedoch nicht unerreichbar. Im Gegenteil - es mangelt hier nicht an Pensionen, Biwakplätzen und vor allem an privaten agrotouristischen Unterkünften. In diesem wasser- und sumpfreichen Gebiet gibt es trotzdem viele Wanderwege. Beide Flüsse sind natürliche, herrliche Wasserrouten für Boote und Kajaks - auf diesem Wege sind beide Parks übrigens am besten zu besichtigen. Wichtig: Den Sonnenaufgang an der Biebrza darf man auf keinen Fall verpassen - dieser Anblick bleibt ein Leben lang in Erinnerung.


STÄDTE UND ORTE: IM ZENTRUM DES LANDES

Warschau: zwischen Wolkenkratzern und Parkanlagen

Vor dem Krieg wurde Warszawa /Warschau/ als Paris des Nordens bezeichnet, nach dem Krieg galt es als eine hässliche Stadt, die ununterbrochen mit ihrer Jahrhunderte alten Konkurrentin - Krakau verglichen wurde. Der Vergleich fiel selbstverständlich immer zugunsten Krakaus aus. Warschau ist auf jeden Fall eine andere Stadt, die nicht so geordnet ist und die sich nicht Jahrhunderte lang so logisch entwickelt hat, wie Krakau. Während des 2. Krieges dem Boden gleichgemacht, ist die Stadt ziemlich chaotisch wiederaufgebaut worden. Beim Errichten von "Expressbauten” blieb so viel Leerraum und unvollendet bebaute Plätze, dass die Stadt nicht besonders gemütlich wirkte. Sie erinnert bis heute noch an ein riesiges Patchwork, in dem farbige, interessant gemusterte Stofffetzen mit grobem, grauen Stoff miteinander komponiert worden sind. Dieser schöne Stoff sind die sorgfältig restaurierten Paläste, Kirchen, Denkmäler, einzelne Häuser, ab und zu eine ganze Strasse mit kompakter, harmonischer Bebauung, die in den hässlichen Hintergrund von en masse entstandenen Hochhaussilos und Basare reingezwängt wurden. Es fällt eigentlich auch schwer, zu sagen, wo sich eigentlich das Zentrum der Stadt befindet - es existiert weder auf dem Stadtplan, noch in der Wirklichkeit. Als Zentrum gilt zwar die Gegend des Kulturpalastes, obwohl für viele Menschen die Strasse Nowy Swiat bzw. die Altstadt das Herz der Stadt verkörpert.


Warszawa (Warschau) - der Altstadt. Foto: J. Lamparski, www.poland.gov.pl

Die von 1,8 Mio. Menschen bewohnte, größte Stadt Polens entwickelt sich sehr schnell. Auch das Leben ist hier entschieden hastiger als in den anderen Landesteilen. Die Autostaus paralysieren sowohl das Stadtzentrum als auch die Ausfahrtstrassen, moderne Bürohäuser aus Stahl und Glas und große Handelszentren schießen wie Pilze aus dem Boden. In Warschau gibt es jedoch auch zahlreiche wunderschöne Parkanlagen und romantische Winkel. Man muss nur wissen, wo nach ihnen zu suchen ist

Wissenswertes

Der Palast für Kultur und Wissenschaft, das 1952-55 nach dem Entwurf eines sowjetischen Architekten errichtete, als Symbol Warschaus betrachtete Geschenk des sowjetischen Volkes an Polen ist mit 231 m Höhe und mit 42 Stockwerken immer noch das höchste Gebäude unseres Landes. Es ist auch das sechsthöchste Gebäude Europas, nach dem Eiffel-Turm (300 m), nach dem Commerzbank Tower und dem Messeturm in Frankfurt (jeweils 299 und 257 m), Canary Wharf Tower in London (243 m). Der Kulturpalast bekommt jedoch Konkurrenz - in Warschau werden immer neue Wolkenkratzer gebaut und das Projekt European Trade Center plant ein Gebäude von 270 m Höhe.

Die Warschauer Stare Miasto /Altstadt/ entstand um die Wende des 13. und 14. Jh., sie wurde jedoch während des Warschauer Aufstands zu 90% zerstört. Die durch eine rote Mauer eingeschlossenen farbenfrohen Häuser, die schlanken Kirchtürme und das massive Gebäude des Königsschlosses - all das, was heute in der Altstadt zu besichtigen ist - ist das Ergebnis des Wiederaufbaus in den Nachkriegsjahren. 1980 ist die Warschauer Altstadt als Beispiel detailgetreuer Rekonstruktion mit Beibehaltung der vorhandenen Fragmente der ursprünglichen Bebauung auf die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO gesetzt worden.
Zu den originalen Bauten gehört die Sigismundsäule auf dem Schlossplatz - eines der ältesten weltlichen Denkmäler in Polen (von 1644). König Sigismund Wasa der III. hat die Hauptstadt Polens 1567 aus Krakau nach Warschau verlegt. Das Denkmal hat die Kriegsgeschehnisse überstanden, es fehlte nur der Arm und der Säbel. Das Königsschloss jedoch, dessen Geschichte ins 13. Jh. zurückgreift und das seit dem 16. Jh. Sitz der polnischen Könige war, wurde gegen Ende des Krieges von den Deutschen in die Luft gesprengt. Der Wiederaufbau des Schlosses fand dank der Großzügigkeit des polnischen Volkes 1971-84 statt, es bekam seine ursprüngliche äußere Gestalt und die prunkvolle Innenausstattung, die es im 17. Jh. hatte, zurück. Und obwohl das Schloss keinesfalls durch seine Schönheit überwältigt und die Allgemeinheit behauptet, dass es mit der königlichen Residenz auf dem Wawel nicht verglichen werden kann, gehört es sicherlich zu den touristischen Attraktionen der Hauptstadt.
Ein Spaziergang durch die bekannten Warschauer Strassen: Krakowskie Przedmiescie (die schönste), Nowy Swiat (die eleganteste) und Aleje Ujazdowskie (verkehrsreich und trotzdem voller ehemaligen Charmes) führt zu einem wunderschönen Ort - zum Lazienki-Park. Die als die schönste Parkanlage Polens (und sogar Europas) geltende Architektur- und Parkanlage aus dem 18. Jh. verdankt ihre Entstehung dem König Stanislaw August Poniatowski. 1766 erwarb er das Ujazdowski-Schloss mit einem Tiergehege, in dem sich auf einer Insel inmitten eines Teiches eine Badeanstalt befand. In den nachfolgenden 30 Jahren haben die besten Architekten, mit Dominik Merlini an der Spitze im ehemaligen Tiergehege neue Bauten errichtet - Palais und Pavillons. Gleichzeitig entstand auch ein Landschaftspark. Angelegt wurden malerische kleine Seen, blühende Wiesen, zwischen den Baum- und Sträucherensembles winden sich unzählige Parkwege
Im zentralen Teil der Parkanlage, zwischen den Alleen mit den sorglos vorbeihuschenden Eichhörnchen, befindet sich ein großer Teich. Auf einer kleinen Insel steht eines der schönsten Schlösser Warschaus. Diese bezaubernde Residenz wird ihrer Lage wegen "Wasserpalais" genannt. Die große Terrasse dekorieren zahlreiche Skulpturen, ein Springbrunnen und eine Sonnenuhr. Zwischen den Blumen spazieren Pfaue und die ins Wasser hinunter führenden Stufen ermöglichen bequemes Füttern der Enten und der Schwäne. Im Lazienki-Park befindet sich noch ein weiteres berühmtes Gebäude - das Belvedere, der Sitz des Präsidenten der Republik Polen. Besuchenswert ist ebenfalls der kleine, musterhaft angelegte botanische Garten mit seinen 7 Tsd. Pflanzenarten und einer der magischsten Winkel von Lazienki mit dem großen Denkmal von Chopin, das sicherlich allen aus den Aufnahmen bekannt ist, die während des Chopin-Wettbewerbs im Fernsehen gezeigt werden. Errichtet wurde es 1926, die Deutschen scheuten jedoch nicht davor, die wunderschöne Skulptur während des 2. Weltkrieges in einer Schmelzhütte zu zerstören. So ist heute lediglich eine Kopie des ehemaligen Werkes zu besichtigen. Sie steht am Ufer des malerisch angelegten Teiches, inmitten eines vor dem 1. Weltkrieg entworfenen und angelegten Rosengartens. In dieser ungewöhnlichen Szenerie finden jährlich im Frühling, Sommer und Herbst Konzerte klassischer Musik statt.


Zelazowa Wola: das Geburtshaus von F. Chopin

Ein kleines Dörfchen an der Utrata gehört zu den von den Touristen am häufigsten besuchten Orten in Mazowsze. In Zelazowa Wola wurde am 1. März (bzw., wie andere behaupten, am 22. Februar 1810) Frédéric Chopin geboren. Der Hof gehörte damals der Familie Skarbek. Der Vater Frédérics, Mikolaj Chopin, unterrichtete die Kinder der Eigentümer und seine Gemahlin, Justyna Krzyzanowska, war mit den Skarbeks verwandt. Die Familie Chopin siedelte nach Warschau über als der zukünftige Komponist gerade ein halbes Jahr alt war. Später besuchte er jedoch Zelazowa Wola häufig in den Ferien und zu Familienfeiern. Seinen Geburtsort besuchte er zum letzten Mal im Jahre 1830, kurz bevor er ins Ausland ging.
Vom Schlösschen der Skarbeks ist nur das linke Hinterhaus bis heute erhalten geblieben, gerade das, in dem Frédéric Chopin zur Welt gekommen ist. 1928 begann man mit dem Umbau des von der eigens dafür berufenen Gesellschaft erworbenen, zerstörten Gebäudes und verlieh ihm den Charakter eines typisch polnischen Schlösschens. Es ist ein kleines, vom wilden Wein umranktes, mit Schindeln bedecktes Haus mit zwei Säulen am Eingang. Das sehr häufig auf Fotos verewigte Schlösschen in Zelazowa Wola gehört zweifelsohne zu den eindrucksvollsten polnischen Symbolen. In sechs Zimmern befinden sich Möbel und andere für die damalige Epoche typische Gegenstände.
Es sind keine Originalgegenstände aus dem Hause Chopin erhalten geblieben, auch die Tatsache, dass einzelne Zimmer den jeweiligen Mitgliedern der Familie zugeordnet worden sind, ist eher symbolisch. Zu sehen sind Porträts der Chopins, Kopien der Heiratsurkunden der Eltern sowie der Geburts- und Taufurkunde des Komponisten. Selbstverständlich steht dort auch ein Klavier, das bei den hier jeden Sonntag stattfindenden Konzerten benutzt wird. Das Schlösschen steht in einem der schönsten, 1931-1937 angelegten Parkensembles Polens mit fast 500 Baum- und Sträucherarten.


Lodz: das gelobte Land

Lodz ist mit ihren fast 800 Tsd. Einwohnern die zweitgrößte Stadt Polens. Die früher auf Landwirtschaft orientierte Siedlung wurde Anfang des 19. Jh. zu einem wichtigen Zentrum der Textilindustrie. In die Stadt, die als "Gelobtes Land” bezeichnet wurde strömten zahlreiche Emigranten - Kaufleute, Unternehmer, Architekten, hauptsächlich Deutsche und Juden (vor dem 2. Weltkrieg machten sie 50% der Einwohner von Lodz aus). Es entstanden riesige Textilfabriken, herrliche Villen, Paläste und zahlreiche Bauwerke - all dies gehört heute zu den Baudenkmälern der Stadt. Charakteristisch sind die sog. Fabrikensembles, die aus den Wohnpalästen der Eigentümers, aus den Fabriken und aus den Familienhäusern für die Arbeiter bestehen.

Wissenswertes

In Lodz wurde der weltberühmte Pianist Arthur Rubinstein geboren (1887-1982).

Die Entwicklung der Stadt wurde durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges jäh unterbrochen. Die Deutschen haben die meisten Fabriken geschlossen und die darin befindlichen Maschinen geraubt bzw. devastiert. Nach dem Krieg wurden die Betriebe nach und nach wieder instandgesetzt, jedoch gelang es keiner Fabrik mehr, den einstigen Erfolg zu verzeichnen. Die goldenen Jahre der Industriestadt Lodz gehörten unwiederbringlich der Vergangenheit an.
Was der Stadt jedoch übrig blieb ist die Piotrkowska-Strasse, die als die längste Handelsstrasse Europas gilt (4 km ununterbrochener, geschlossener Bebauung). Es ist auch die berühmteste Strasse in Polen - viele Touristen kommen nach Lodz allein deshalb, um diese Strasse zu besichtigen. Hier befinden sich die meisten und die repräsentativsten Bauten, die einst von den vermögenden Industriellen, errichtet bzw. gestiftet worden sind. Die Strasse ist auch Standort der exklusivsten und elegantesten Geschäfte. In den letzten Jahren erlebt die Strasse ihre regelrechte Renaissance. Sie beginnt, die Funktionen eines städtischen Marktes auszuüben (Lodz hat keine typische Altstadt, wie andere Städte Polens). Hier finden sowohl Konzerte, Sportveranstaltungen, Aufführungen der Strassentheater als auch Happenings statt. Die interessant arrangierte Strasse beherbergt auch die landesweit größte Anzahl von Pubs, Nachtklubs und Restaurants, insbesondere zwischen der Schiller-Passage und der Moniuszko-Strasse - beinahe in jedem Haus und in jeder Toreinfahrt befinden sich mehrere Lokale. Dieser Ort wird häufig als das Bermuda-Dreieck bezeichnet, denn man kann da schon ganz leicht verschwinden, zwar nicht ganz, aber auf alle Fälle für mehrere Stunden.
Lodz ist auch die Filmhauptstadt des Landes. Hier befindet sich die berühmte Filmhochschule, in der viele europa- und weltweit bekannte und anerkannte Schauspieler und Regisseure ausgebildet wurden. Hier studierten solche Berühmtheiten des polnischen Kinos wie Krzysztof Kieslowski, der Oscar-Preisträger Andrzej Wajda und Roman Polanski. Ein Teil der Piotrkowska-Strasse wird als die Ruhmesallee von Lodz bezeichnet - ihre Sterne haben hier u.a. Jerzy Hoffmann, Agnieszka Holland, Jan Machulski und Andrzej Seweryn.
Nicht viele wissen davon, dass sich in Lodz der größte in Mittelosteuropa und einer der größten jüdischen Friedhöfe der Welt befindet. Auf einem Gelände von 40 ha sind etwa 200 Tsd. Grabsteine aus der Zeit von 1893-1939 erhalten geblieben. Einige von ihnen ähneln mächtigen, monumentalen Bauten, auf zahlreichen Gräbern findet man antike- und Jugendstilmotive. Einige hundert Grabsteine werden als historisch wertvolle Sehenswürdigkeiten betrachtet.

Quelle: www.poland.gov.pl

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