MASUREN UND SUWALSZCZYZNA
Die Masuren (Mazury) und das Suwałki-Land (Suwalszczyzna) sind ein großes
historisches und ethnographisches Gebiet im Nordosten Polens. Es umfasst
die Masurische Seenplatte sowie die sich östlich von ihr anschließende
Seenplatte von Suwałki und Augustów (Pojezierze Suwalsko-Augustówskie).
Diese Region wird häufig als das "Land der Tausend Seen" bezeichnet. Insgesamt
gibt es jedoch 4000. Die zwei größten von ihnen sind der Spirdingsee (Jezioro
Sniardwy: 113,8 km2) und der Mauersee (Jezioro Mamry: 104,5 km2). Beide
liegen im Land der Großen Masurischen Seen. Der tiefste See (Hancza: 108,5
m) liegt in der Seenplatte von Suwałki (Pojezierze Suwalskie) und der
längste (Jeziorak: 27 km) in der Ilawa-Seenplatte (Pojezierze Ilawskie).
Größtenteils sind sie durch Flüsse oder Kanäle miteinander verbunden,
von denen aus touristischer Sicht der Elbingkanal (Kanal Elblaski) und
der Augustówer Kanal (Kanal Augustówski) am attraktivsten sind. Sehr populär
ist auch die Route der Großen Masurischen Seen (88 km).
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Die geographische Bezeichnung Masuren wird oft mit der Großen Masurischen
Seenplatte (1700 km2) gleichgesetzt. Über 15 % des Gebietes machen
Gewässer aus (ein Viertel der Gesamtfläche aller polnischen Seen).
Weiter nördlich liegt das Suwałki-Land (Suwalszczyzna), das im Osten
und Norden an Litauen und Belarus grenzt. Diese Ecke Polens unterscheidet
sich von den anderen Landesteilen durch die Schönheit der postglazialen
Landschaft, durch die Besonderheit des geologischen Aufbaus, durch
Klimaeigenschaften, durch eine andersgeartete Pflanzen- und Tierwelt.
Die Unterschiede treffen ebenfalls auf die Geschichte der Besiedlung
und auf die ethnische und nationale Zusammensetzung der Bevölkerung
zu.
Sowohl die Masuren als auch das Suwałki-Land sind ein Paradies für
Segler und Kajakfahrer, für Liebhaber von Waldspaziergängen und
für Erholungssuchende. Es gibt hier riesige Wälder wie die Puszcza
Piska und die Puszcza Augustówska mit vielen Wander-, Rad- und Reitwegen
sowie gotische Schlösser und Kirchen, die von den hier einst herrschenden
Kreuzrittern errichtet wurden.
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Masuren
Foto: GA, www.poland.gov.pl |
Schiffe auf Schienen
Der 1848-76 erbaute Ostróda-Elblšg-Kanal hat Abschnitte,
in denen Schiffe auf Schienen fahren. Sie überwinden auf einer Länge von
82 km 100 m. Über fünf Hänge werden die Schiffe auf wassergetriebenen
Schienenfahrzeugen hoch oder runter gefahren. Diese Stecken sind 350-550
m lang, wobei eine Fahrt 15-20 Minuten dauert. Der Kanal verläuft durch
Wälder und Seen. Die Fahrt von Ostróda (Osterode) und Elblšg (Elbing)
dauert elf Stunden und kostet etwa 20 Euro (ermäßigt 15 Euro), man kann
aber auch kürzere Teilstrecken buchen. Kanalsaison ist von Anfang Mai
bis Ende September. Den Fahrplan findet man unter www.zegluga.com.pl.
Nicht nur die Polen machen gern in den Masuren Urlaub. Hier gibt es gute
Hotels und Gaststätten sowie unzählige Wassersporteinrichtungen. In den
größeren Urlaubsorten (Mikołajki, Mragowo, Giżycko, Augustów) finden im
Sommer Kultur- und Sportveranstaltungen statt.
DIE NATUR: WASSER, WASSER UND NOCHMALS WASSER
Die masurische Landschaft ist sehr vielfältig. Es gibt Hügel mit steilen
Hängen, steinige Täler, rinnenförmige Ausläufern und flache, große Seen.
Sie sind durch die Eiszeit entstanden. Die sich vor und zurück bewegende
Eisschicht wirkte wie ein riesiger Bulldozer und hat wellenförmige Hügelreihen
geschaffen.
Zwischen diesen Hügeln entstanden schmale und lange Rinnenseen. Der gleichmäßig
zurückweichende Gletscher hinterließ Flachland und Tieflandmulden, wo
später Torf- und Sumpfgebiete, sowie große, flache Seen mit zahlreichen
Halbinseln, Inseln und Buchten entstanden.
Im frühen Mittelalter war das gesamte Gebiet mit dichten Wäldern bewachsen,
deren Fläche mit der Zeit, infolge der Ansiedlung von Menschen immer mehr
schrumpfte. Die Masuren überbieten jedoch nicht nur hinsichtlich der riesigen
Wasserfläche der zahlreichen Seen, sondern auch hinsichtlich der Bewaldung
die anderen Regionen des Landes. Die wertvollsten Waldgebiete stehen unter
Naturschutz und sind Teil von Landschafts- bzw. Nationalparks.
Die Johannisburger Heide: "Masurisches Meer" und polnische Pferdchen
Die Johannisburger Heide (Puszcza Piska) ist das größte Waldgebiet in
den Masuren (86 000 ha) und eins der größten geschlossenen Waldgebiete
des Landes. Es gibt Waldseen mit vielen Inseln, reizvolle Winkel in Flusswindungen.
Größere Ortschaften sind auf "Landurlauber" und Segler gut vorbereitet.
Man kann Waldwanderungen, Rad- und Kajaktouren machen. Durch die Wälder
fließt der ungewöhnlich schöne Fluss Krutynia. Hier liegen auch der Spirdingsee,
der Nidzkie-See und der Beldany-See.
Auf den sandigen Böden der Johannisburger Heide überwiegen Kiefern- und
gemischte Kiefern- und Fichtenwälder, die 90 % ihrer Fläche ausmachen.
Im südlichen Teil wachsen auch Birken und Espen, im Norden kommen Eichen
und Buchen vor. In den Torfgebieten, die ein Zehntel des Urwalds ausmachen,
wachsen Gras und Erlen. Im Unterholz blühen geschützte Pflanzen wie Asphodill,
rundblättriger Sonnentau, blaues Sperrkraut und zehn Orchideenarten.
In der Vergangenheit beherrschten den Wald große Säugetiere wie Auerochsen,
Bären und Vielfraße (auch Bärenmarder oder Järv genannt).
Auf den Waldwiesen lebten Wildpferde, die gegenwärtig, in der Gegend von
Popielno, in einer Forschungsanstalt gezüchtet werden. Heutzutage begegnet
man im Urwald den herrlichen masurischen Hirschen und majestätischen Elchen.
Säugetiere, die in der Johannisburger Heide vorkommen:
- Reh
- Wildschwein
- Hase
- Fuchs
- Dachs
- Wiesel
- Marderhund
- Wolf und Luchs (seltene Arten)
- Biber
- Fischotter
- amerikanischer Nerzes (Mink)
Vogelarten in der Johannisburger Heide:
- Schwarzstorch
- Steinadler
- Fischadler
- Wiedehopf
- Wachtelkönig
- Schreiadler
- Uhu
- Höckerschwan
- Graureiher
- Kormoran
- Kraniche u.v.a.
Fischarten in Gewässern der Johannisburger Heide:
- Renke
- Kleine Maräne
- Brasse
- Plötze
- Ukelei
- Barsch
- Karausche
- Hecht
- Schleie
- Wels
- Aal
Auf dem Heidegebiet befindet sich der 1977 gegründete Masurische Landschaftspark
(Mazurski Park Krajobrazowy; 53 600 ha). Das wertvollste Reservat ist
der Luknajno-See, wo Höckerschwäne leben. Als Symbol des Parks gilt jedoch
der Weißstorch, dessen Nester in vielen Dörfern zu finden sind. In Polen
nisten übrigens jährlich 40 000 Storchpaare.

Kajakfahrt auf der Krutynia
Foto: R. M. Kosinscy, www.poland.gov.pl
Vogelparadies Luknajno-See
In der Nähe von Mikołajki, im Reservat mit dem Luknajno-See (710 ha)
lebt die größte polnische Höckerschwankolonie, die aus 1000 Paaren besteht.
Dieser Ort wurde 1977 auf die Weltliste der Biosphärenreservate der UNESCO
und 1978 auf die Liste der internationalen Reservate der Ramsar-Konvention
gesetzt, die die wertvollsten von Sumpfvögeln bewohnten Gebiete schützt.
In der Johannisburger Heide gibt es in Kadzidlowo ein privates Tiergehege.
Auf 60 ha leben Wölfe, Hirsche, Damhirsche, Elche, Wildpferde, Wildschweine,
Kleinziegen, Esel und Biber. Man kann Wisente, Bisons und verschiedene
Vögel beobachten: Auerhähne, Störche und Kraniche. Einige Tiere leben
in freier Wildbahn, andere in Gehegen und im Kleintierpark.
Die Heide hat viele wunderschöne Seen. Der Bełdany-See und der Nidzkie-See
sehen auf der Landkarte wie ein breiter Fluss aus, dessen Teile durch
kleine Wasserbecken verbunden sind. Zusammen bilden sie eine 37,5 km lange
Wasserstraße, die als der schönste Teil der Großen Masurischen Seenplatte
gilt. Die nur von Wald umgebenen Seen hinterlassen einen unvergesslichen
Eindruck. Jede Windung entschleiert neue, malerische Ausblicke und in
kleinen Buchten sind märchenhafte Badestellen versteckt.
Der Bełdany-See liegt im Masurischen Landschaftspark, der bald den Status
eines Nationalparks bekommen soll. Segler lieben diesen See. Im Sommer
trifft sich hier die High Society und protzt mit den schönsten oder zumindest
mit den teuersten Jachten. Es mangelt auch nicht an Motorbooten, Wasserskifahrern
und Fahrgastschiffen.
Der Nidzkie-See ist im Vergleich zum Bełdany-See still und man trifft
hier viel weniger Menschen. Der ganze See gehört zum Landschaftspark und
darf in bestimmten Ruhezonen nicht von Motorbooten befahren werden. An
seinem Ufer liegen nur die Stadt Ruciane-Nida und die zwei kleinen Dörfchen
Krzyże und Karwica. Ansonsten gibt es hier nur Forsthäuser und von der
Welt abgeschnittene Weiler. Deshalb kommen weniger Wassersportfreunde
hierher. Sie bevorzugen "zivilisiertere" Gegenden. In Richtung Süden begegnet
man immer weniger Menschen. Der Nidzkie-See ist bei denen beliebt, die
Ruhe und Natur mögen. Viele kehren jeden Sommer hierher zurück.
Den Status eines Reservats hat auch die durch den Wald fließende Krutynia,
die zu den schönsten Kajakstraßen Polens gehört. Sie ist 100 km lang und
führt über viele malerisch gelegene Seen. Die Krutynia ist eine leichte,
für Anfänger geeignete Kajakroute, die ihrer Schönheit wegen sehr häufig
befahren wird. Unterwegs gibt es viele kleine, gastfreundliche Städtchen
und größere Urlaubszentren. Entlang der Ufer verlaufen Wander- und Radwege.
In der näheren Umgebung liegen mehrere Naturschutzgebiete und viele behaupten,
dass hier die schönsten Ecken der Masuren zu finden seien.
Mit dem Urwald von Pisz grenzt ebenfalls der zum Masurischen Landschaftspark
gehörende Sniardwy-See (Spirdingsee), auch "Masurisches Meer" genannt.
Er ist so groß, dass man kaum das andere Ufer erkennen kann. Auf dem See
gibt es acht Inseln mit einer Gesamtfläche von 43 ha. Der Spirdingsee
hat zwar eine imposante Größe von 22 x 13,4 km, ist aber sehr flach. An
den tiefsten Stellen ist er 23,4 m, im Schnitt ist er nur 5,8 m tief.
Für Segler ist er ideal. Sie sollten jedoch schon etwas Erfahrung mitbringen.
Die sich schnell verändernde Witterung, starker Wind und hohe Wellen sind
manchmal recht gefährlich. Über den See verläuft die Seglerroute der Großen
Seen (88 km), die weiter nach Norden führt, u. a. durch den zweit- und
drittgrößten See der Masuren: den Mamry-See und den Niegocin-See.
Am Ufer des Sniardwy-Sees, in Popiełno, liegt eine Forschungsanstalt der
Polnischen Akademie der Wissenschaften, wo Polnische Pferdchen (Konik)
gezüchtet werden. Man kann sie sowohl innerhalb der Forschungseinrichtung
als auch in den umliegenden Wäldern in freier Wildbahn beobachten. In
der Forschungseinrichtung befindet sich ebenfalls eine Hirschfarm und
die einzige polnische Biberzucht.
Die zahmen Wildpferde von Popiełno
Das Polnische Pferdchen ist ein Nachfahre des Tarpan (Equus caballus
gmelini), eines ausgestorbenen Säugetieres aus der Familie der Wildpferde,
die einst die offenen Steppengebiete Europas bewohnten. Der letzte in
freier Wildbahn lebende Vertreter dieser Tierart starb 1876 in der Ukraine.
Ein Restitutionsversuch wurde in Polen (in Białowieża), vor dem Zweiten
Weltkrieg durch eine Kreuzung der als Haustiere lebenden Tarpane vorgenommen.
Die Zuchtanstalt befindet sich gegenwärtig in Popiełno.
Die Tarpane waren nicht besonders groß (ca. 1,30 m) und hatten einen leichten
Körperbau. Die Polnischen Pferdchen haben einen stärkeren Körperbau und
werden etwa 140 cm groß. Ähnlich wie die Tarpane wechseln sie ihr dunkles
Sommerfell in ein helles Winterfell, ihren Rücken schmückt ein dunkler
Streifen. Sie sind zahm und sehr widerstandsfähig.
Augustów-Wald: ehemalige Tundra
Der nordöstlich der Masurischen Seenplatte gelegene Augustów-Wald (Puszcza
Augustówska) ist einer der größten Waldkomplexe Polens. Er bedeckt mit
seinen 114 000 ha fast die gesamte Augustów-Ebene, die sich im südlichen
Teil der Seenplatte von Augustów und Suwałki befindet. Das Gebiet ist
flach und dünenreich. Auf dem sandigen Boden wachsen vor allem Kiefern
und Fichten. Viele Bäume sind über 120 Jahre alt. Der größte Fluss der
Region ist die Czarna Hancza. In den Wäldern sind viele Seen versteckt,
von sehr kleinen Wasserbecken bis zu dem größten See des Suwałki-Landes
- dem Wigry-See. Er ist über Teilstrecken des Augustów-Kanals mit anderen
Seen verbunden: Necko-, Rospuda-, Białe- und Studzieniczne-See. Sie sind
ein Paradies für Kajakfahrer und Segler. Im Wald kann man auch wandern
und Rad fahren. Der bedeutendste Urlaubsort ist Augustów.
Im gesamten Urwald wachsen vor allem Kiefernwälder sowie gemischte Kiefern-
und Fichtenwälder, die 80 % des Baumbestandes ausmachen. In den südlichen
Sumpfgebieten gibt es viele Laubwälder, die aus Erlen, Espen und Eschen
bestehen. Hier trifft man auf folgende Tierarten:
- Reh
- Hirsch
- Fuchs
- Wildschwein
- Hase
- Elch
- Biber
- Luchs
- Wiesel
- Edelmarder
- Auerhahn
- Birkhuhn
- Schwarzstorch,
- Reiher
- Steinadler
Der Augustów-Wald ist ein europaweit bekanntes Vogelgebiet. Man findet
hier Vogelarten, die hier schon vor 2000 Jahren genistet haben wie Strandläufer,
Kreuzschnabel, Wacholderdrossel, Seetaucher und Sumpfeule.
Übrigens lebt hier auch die in Polen sehr seltene Sumpfschildkröte. In
den Torfgebieten findet man seltene Schmetterlinge, u. a. arktische Arten.
Fischvorkommen:
- Renke
- Maräne
- Aal
- Hecht
- Brasse
- Schleie
- Barsch
- Plötze
Die größte touristische Attraktion des Waldes ist der 1824-1839 errichtete
Augustów-Kanal (Kanal Augustówski). Die 102 km lange Wasserstraße verbindet
die Zuflussgebiete der Weichsel und des Njemen. Sie beginnt mit der Schleuse
Dębowo an der Biebrza und endet mit der in Belarus befindlichen Schleuse
Njemnowo. Der polnische Teil des Kanals ist 80 km lang. Er durchfließt
die kanalisierten Abschnitte der Flüsse Netta und Czarna Hancza und die
Seen von Augustów. Zur Überwindung von 55 m Höhenunterschied dienen 18
Kammerschleusen, von denen sich 14 in Polen befinden. Die restlichen 20
km Kanalstrecke in Belarus sind leider zerstört worden und müssen bald
saniert werden. Von den 14 polnischen Schleusen sind 9 fast in ihrem ursprünglichen
Zustand erhalten geblieben. Auf dem Kanal kann man Schiffsexkursionen
unternehmen. Die hiesige, mit der Kajakroute der Czarna Hancza verbundene
Wasserstrasse ist 98,5 km lang und gilt, ähnlich wie die Krutynia als
eine der schönsten in Polen. Die Route ist leicht passierbar, auch für
unerfahrene Kajakfahrer.
Entlang des Kanals liegen zahlreiche Dörfer, kleine Ortschaften und Campingplätze.
An vielen Stellen hört man nur das Wasser rauschen und die Wasservögel
zwitschern. Es gibt hier mehrere Naturschutzgebiete, die zu Fuß oder mit
dem Rad zu erreichen sind. Einige Seen um Augustów sind streng geschützt.
Die zwei wertvollsten Naturoasen sind der Fluss Czarna Hancza und der
Wigry-See. Die 147 km lange, in den Njemen mündende Czarna Hancza hat
ihre Quelle in den Moränenhügeln nördlich des Hancza-Sees und durchfließt
den Wigry-See. Die Czarna Hancza hat zwei Antlitze: von der Quelle bis
zur Mündung in den Wigry-See ist sie ein wilder, schnell fließender Fluss
mit großem Gefälle. Jenseits des Wigry-Sees wird sie zu einem Tieflandfluss,
der behäbig durch die umliegenden Felder und Wälder mäandriert.
Der Wigry-See ist ein sehr großer See (2187 ha, max. Tiefe 73 m) mit unregelmäßigen
Ufern. Seine Inseln und Buchten und die umliegenden Wälder sind überaus
reizvoll. Einen Ufergang sollte man dem Besuch des Kamaldulenserklosters
von Wigry widmen. In der unmittelbaren Gegend befinden sich etwa 40 andere
Wasserbecken. Dazu gehören mitten im Wald liegende, nährstoffarme braune
Seen, die meistens keine Zuflüsse und Abflüsse haben und von Torfgewächsen
umgeben sind. Charakteristisch für diese Gegend sind kleine Dörfer, kleine
Kapellen und Kreuze an den Wegesrändern.
Sowohl der Fluss als auch der See stehen unter Schutz. Dazu wurde 1989
der 15 ha große Wigry-Nationalpark (Wigierski Park Narodowy) geschaffen.
Der Park gehört zu den wildesten und schönsten Ecken Polens. Hier wachsen
1000 Gefäßpflanzenarten, von denen 60 streng geschützt sind. An den Seen
und in den Wäldern wachsen mehrere Farnarten, Sumpfbärlapp und viele Blumen,
darunter 19 Orchideenarten. Es gibt seltene Pflanzen wie den insektenfressenden
Sonnentau, die Zwergbirke, den Torfsteinbrech oder das königliche Läusekraut.
Im Wigry-Nationalpark leben 46 Säugetierarten. Die größten Raubtiere sind
die Wölfe, die am häufigsten im südlichen Teil des Parks vorkommen. Es
gibt aber auch Füchse, Marderhunde, Marder, Wiesel, Dachse, Hermeline,
amerikanische Nerze und Elche. Charakteristisch sind für diese Gebiete
die Biber, die als Symbol des Wigry-Nationalparks gelten und von denen
es hier 250 Exemplare gibt.
Biber werden 30 Jahre
Der 18 bis 29 kg wiegende Biber lebt in Höhlen oder in etwa 2 m hohen,
kegelförmigen Biberbauten, die aus mit Schlamm abgedichteten Zweigstücken
unterschiedlicher Stärke und Länge bestehen. Wenn der Wasserpegel der
kleinen Flüsse für den bequemen Transport der Nahrung zu niedrig ist oder
wenn die sich unter Wasser befindlichen Eingänge zu ihren Verstecken aufgedeckt
werden, errichten die Biber Stauanlagen, die den Wasserstand um 30-50
cm erhöhen. Der Biber ist imstande, innerhalb einer Nacht, einen dicken
Baumstamm durchzunagen. Er wird durchschnittlich 30 Jahre alt. Im Sommer
ernährt er sich hauptsächlich von Grün- und Wasserpflanzen, im Herbst
von abgenagter Baum- und Sträucherrinde. In seinem Speiseplan bevorzugt
er Espen, Weiden und Haselnusssträucher.
Im Park leben fast 200 Vogelarten, vor allem aus der Familien der Sperlinge
sowie Wasser- und Sumpfvögel: Kreuzente, Höckerschwan, Möwe, Seemöwe,
Kranich, Gans, Haubentaucher und Kormoran. Raubvögel: Steinadler, Fischadler,
Mäusebussard und Habicht.
Der Norden des Suwałki-Lands - das polnische Alaska
Die nordöstlichen Grenzgebiete des Landes sind ein Märchenland. Es gibt
wenig Gebiete von so bezaubernder Schönheit. Man findet gewellte Plateaus,
hohe Hügel, viele Flüsse, Bäche, Seen mit unterschiedlich geformten Uferlinien,
tiefe Schluchten und viele Findlinge. Das Suwałki-Land gehört neben den
Gebirgsregionen zu den kühlsten Klimazonen Polens. Die durchschnittliche
Jahrestemperatur beträgt 6°C.
Die Landschaft wurde von einem Gletscher geprägt, der einst den europäischen
Kontinent bedeckte. Es gibt hier viele eiszeitliche Formen: Moränen, Hügel
mit flachen Gipfeln, Hügelterrassen, lange, schmale, gewellte Hügel aus
Sand und Kies sowie trommelförmige Lehmaufschüttungen und Rinnen. Sie
sind jung und deutlich ausgeformt, da der Boden hier am längsten vergletschert
war.
Im Gebiet um Suwałki liegen 160 Seen, die jeweils über 1 ha groß sind,
darunter der berühmte Hancza-See. Meist sind sie lang, rinnenförmig und
tief. Sie sind häufig durch Flüsse verbunden wie z. B. die malerische
Route der Rospuda: ein Paradies für Kajakfahrer. Manche Seen sind aus
Schmelzwasser entstanden. Sie sind meist breit und oval und haben flache
und buchtenreiche Ufer. Außerdem findet man hier viele kleine, runde Seen,
die, wenn sie flach und mit Pflanzen bewachsen sind, als "Augen" bezeichnet
werden und als "Kessel", wenn sie tief sind.
Das strenge Klima hat die Natur stark geprägt, daher treten hier viele,
in anderen Teilen Polens nicht vorkommende boreale (nördliche) Pflanzenarten
auf, wie z. B. die Zwergbirke und die Lapplandweide. Von den einst den
Norden des Suwałki-Lands bedeckenden Urwäldern sind lediglich Randstreifen
erhalten geblieben. Es gibt keine größeren Waldkomplexe, sondern weite
Felder, die von vielen kleinen Wäldchen durchbrochen werden.
Außer den für Polen typischen Arten leben hier seltene boreale Tiere
wie z. B. Tannenhäher, Waldbirkenmaus und im Hancza-See kleinere skandinavisch-baltische
Krustazeen und Groppen mit stacheligen Flossen. Sehr reich ist ebenfalls
die Vogelwelt. Hier leben u. a. Schwarzstorch, Schwarzspecht, Schwarzkopfmöwe,
Reiher, Sperber, Kranich, Mäusebussard, Krähe und Steinadler. Den Reichtum
der Fauna ergänzen edle Fischarten wie Renke, Maräne, Stint, Aal oder
Bachforelle sowie Krebse und zahlreiche Lurch- und Insektenarten.
Die in reiner, klassischer Form erhalten gebliebenen postglazialen Landschaftsformen
und die herrliche Natur gehören zum Landschaftspark von Suwałki (Suwalski
Park Krajobrazowy). Der 1976 gegründete, 6284 ha große Park verzaubert
durch seine beinahe gebirgige Landschaft. Am interessantesten sind der
Hancza-See, der Eibenberg und die Reservate mit Wanderblöcken aus der
Eiszeit.
Der tiefste See Polens und der gesamten Mitteleuropäischen Ebene ist
der 108,5 m tiefe Hancza-See. Er steht unter Naturschutz und hat u. a.
steinige Strände, die sonst an Tieflandgewässern kaum zu finden sind.
Eine weitere Besonderheit sind sein eigentlich für Meere typischer Schelf
(Kontinentalsockel) am Ufer und Restvorkommen von Krustazeen, die sonst
nur in den Gebirgsseen Skandinaviens leben. Der See liegt an der westlichen
Grenze des Parks und ist 304 ha groß. Seine Ufer, insbesondere im Westen,
sind steil und hoch.
Der Hancza-See erinnert mit seinem klaren Wasser und seiner spärlichen
Pflanzenwelt an einen Gebirgssee. Hier leben 23 Fischarten, darunter so
seltene wie Groppe, Renke, Maräne und die 1991 restituierte Lachsforelle.
Im Park gibt es sehr interessante geologische Reservate, in denen es viele
Ansammlungen von Findlingen gibt. Am interessantesten ist diesbezüglich
das 1 ha große Findlingsreservat Glazowisko Bachanowo an der Czarna Hancza.
Die umliegenden Felder, das Tal und das Flussbett der Czarna Hancza sind
mit Findlingen übersät: die kleineren haben einen Umfang von 0,5-3 m,
die größeren von 6-9 m.
Eine andere Besonderheit der Region ist der Eibenberg (Góra Cisowa),
auch "Fudshijama von Suwalki" genannt. Obwohl er weder die höchste (258
m), noch größte Erhebung ist, wurde der Berg zum Symbol des Suwałki-Landes.
Berühmt machte ihn seine ungewöhnliche Schönheit. Er hat die Form eines
gleichmäßigen Kegels, der sich über den steilen Hang des großen Flusstales
der Szeszupa erhebt und fast von jeder Stelle des Landschaftsparks von
Suwałki sichtbar ist. Die reguläre, naturwidrige Form des Berges ist ein
Rätsel für die Wissenschaft. Vom Gipfel aus kann man fast das gesamte
märchenhafte Panorama des Landschaftsparks von Suwałki überblicken: das
weite, tiefe Tal mit bewaldeten Hügeln sowie blaue Seen und grüne Wiesen,
durch die sich die Szeszupa schlängelt.
STÄDTE UND ORTSCHAFTEN: SEGELN UND BESICHTIGEN
Nikolaiken: eine belebte Anlegestelle
Die Ortschaft Nikolaiken (Mikołajki), die poetisch als die "Perle der
Masuren" bezeichnet wird, liegt auf dem schmalen Landstreifen zwischen
dem Mikołajki-See und dem Talty-See. Die 4000-Seelen-Gemeinde wird im
Sommer zu einem lebhaften Urlaubsort. Manche verbringen hier ihren Urlaub,
andere kommen nur für einen Tag oder übers Wochenende. Die Anlegestelle
ist voller Segelboote. Den ganzen Sommer über finden im Seglerdorf am
Mikolajki-See Veranstaltungen statt, z. B. das Festival der Seemannslieder
"Shanties in Mikolajki" und viele erstrangige Seglerregatten statt (z.
B. die Seglermeisterschaften der Polnischen Journalisten). Dieses kleine,
wohnliche Städtchen mit harmonischer Bebauung hat ganz auf den Tourismus
gesetzt.
Am Mikolajskie-See gibt es sehr schöne Ecken. An dem über 1 km langen
Kai liegen Hunderte Jachten an. Es ist die größte Anlegestelle in den
Masuren. Man findet viele Imbisstuben und die Anlegestelle der Masurische
Reederei. Von hier kann man einen Schiffsausflug auf dem Spirdingsee (Jezioro
Śniardwy) und nach Ruciane und Giżycko machen. Dahinter befindet sich
das bekannte Seglerdorf mit Kneipen, die romantische Namen tragen. Hier
treffen sich die Bootsfreunde aus den gesamten Masuren, um bei einem Glas
Bier ihr Seemannsgarn zu spinnen. Zu einem Aufenthalt auf der Masurischen
Seenplatte und in den Masuren gehört ein Mikolajki-Besuch unbedingt dazu.
Auch wenn man die Natur den Seemannsliedern und dem Bier vorzieht, kann
ein kurzer Mikolajki-Besuch zu einer angenehmen Abwechslung werden.
Lötzen: viel Grün und viele kleine Kirchen
Lötzen (Giżycko) ist eine 30 000 Einwohner zählende Stadt auf dem schmalen
Landstreifen zwischen Mauersee und dem Löwentinsee (Jezioro Mamry und
Jezioro Niegocin). Reisführer kürten sie zur Sommerhauptstadt Polens,
weil sie in dieser Jahreszeit zu einem großen Erholungs- und Seglerzentrum
wird. In den letzten Sommern ist in Gieżycko immer unheimlich viel los
gewesen. Im Juli und August finden am Ufer des Löwentinsees Konzerte und
Diskos statt, die bis zum Morgen dauern. Übrigens findet man bei einem
Lötzen-Spaziergang vereinzelt sehr schöne Gebäude sowie moderne Architektur.
Im Sommer ist die Stadt voller Grün. In Gizycko gibt es erstaunlich viele
Kirchen verschiedener Religionen: katholische, protestantische, griechisch-katholische
und eine orthodoxe. Es gibt auch Gotteshäuser der Baptisten, der Pfingstler
und der Zeugen Jehovas.
Die Stadt hat einen Badestrand und zwei Häfen. Besonders bei Sonnenuntergang
lohnt es sich, auf die weit in den See herausragenden Mole zu gehen. Der
Walt um Giżycko hat viele Wander- und Radwege. Auch die Schiffe der Masurischen
Reederei legen hier an.
Sztynort: das Mekka der Segler
Das Dorf Sztynort ist 30 km von Giżycko entfernt und liegt auf einer
malerischen Halbinsel zwischen Dargin-See, Kirsajty-See und dem märchenhaften
Sztynort-See, der sich inmitten eines dichten Waldes befindet. Man hat
hier eine große Anlegestelle und das beliebte "Seglerdorf". Durch Sztynort
verlaufen mehrere Wander- und Radwege. Auf der Landzunge des Dargin-Sees
liegt das Reservat Mokre (7 ha) mit Erlenbewachsenen Schwemmgebieten.
Darüber hinaus gibt es hier alte Eschen, Eichen und Fichten. In der Nähe
des Reservats leben Elche.
In Sztynort kann der ehemalige Sitz der Familie Lehndorff besucht werden
- ein barocker Palast aus dem 17. Jh. inmitten eines Parks mit alten Eichen,
Linden und Hainbuchen. In der Nähe sind alte Wirtschaftsgebäude aus dem
18. Jh. erhalten geblieben.
Der Hafen von Sztynort gleicht in seiner Berühmtheit dem Seglerdorf in
Mikolajki. Die großen und solide gebauten Anlegestellen ragen weit in
den See hinaus. In einem der einstigen Wirtschaftsgebäude befindet sich
die Kultkneipe der masurischen Segler "Zeza". Am Tage wirkt die dunkle
Bar mit ihrer hohen, gewölbten Decke alltäglich, doch am Abend ist sie
wie verwandelt. Dann ist sie gerammelt voll. An den aus Holzbohlentischen
sitzen viele Leute mit Gitarren und die Gäste singen Shanties und Seemannslieder.
Dabei fließt reichlich Bier. Man kann aber auch die lokale Spezialität
wählen - den Sztynorter Kräuterschnaps. Wer einmal die freudige Atmosphäre
und den fröhlichen Seemannsgesang in der Zeza miterlebt hat, wird immer
wieder hierher zurückkommen.
Augustów: zwischen drei Seen
Die im westlichen Teil des Augustów-Waldes, an Necko-, Biale- und Sajno-See
gelegene Stadt, wurde einst als "Venedig des Nordens" bezeichnet. Wegen
seines spezifischen Mikroklimas und der großen Torfschlammvorräte erhielt
Augustów den Status eines Kurortes. Im Sommer wird die Stadt (30 000 Einwohner)
zur Touristen-Metropole, worauf sie mit Erholungsheimen, Anlegestelle
und Stränden gut vorbereitet ist. Für Kurzweil sorgen der Augustower Theatersommer
und "die Sommermeisterschaften im Schwimmen auf Amphibienfahrzeugen".
Augustów wurde im 16. Jh. von König Zygmunt August gegründet. Die Volkssagen
verbinden die Entstehung der Stadt mit der romantischen Liebe zwischen
dem König und Fürstin Barbara Radziwillowna. Zygmunt August liebte die
Frauen und die Jagd. Er soll die Stadt als Andenken an das erste Randezvous
mit seiner Geliebten angelegt haben. Dieser großen Leidenschaft sind wahrscheinlich
sämtliche Privilegien zu verdanken, die der Stadt verliehen wurden. Die
Atmosphäre von Augustów ist für romantische Spaziergänge bestens geeignet.
Die größte Attraktion sind die Wälder und Seen, die bis in die Stadt reichen,
sowie der malerische Fluss Netta. Der Necko-See schimmert beim Sonnenuntergang
besonders schön. Der große Zygmunt-August-Markt und die davon ausgehenden
Straßen sind in ihrer ursprünglichen Anlage erhalten geblieben. In der
Mitte des größten Platzes befindet sich ein Park aus dem 19. Jh. mit großem
Baumbestand, darunter vier 20 m hohe Ahornbäume, die als Naturdenkmäler
gelten. Auf den umliegenden Seen kursieren die Schiffe der Augustower
Reederei. In der Nähe verläuft auch der Augustów-Kanal.
Wolfsschanze: Führerhauptquartier
Bei der Stadt Rastenburg (Kętrzyn), die wegen ihrer Kreuzritterburg aus
dem 14. Jh. bekannt ist, liegt die kleine Ortschaft Gierloz. Hier befand
sich das berühmte Führerhauptquartier von Adolf Hitler, auch Wolfsschanze
(Wilczy Szaniec) genannt. Auf 2,5 km2 entstanden 80 Bauten, darunter 50
Bunker. Hitler und die Hauptbefehlshaber der Wehrmacht wohnten hier mit
kurzen Pausen ab 1941. Das Führerhauptquartier war bestens gesichert.
Es bestand aus einem System von Tunneln und Räumlichkeiten mit 8 m dicken
Wänden aus Stahlbeton. Hier fand 1944 das missglückte Hitler-Attentat
statt.
Auf die Nachricht hin, dass die Rote Armee im Anmarsch ist, hat die Führung
der Wehrmacht die Wolfsschanze verlassen und im Januar 1945 wurde alles
durch die sich zurückziehende deutsche Wehrmacht in die Luft gesprengt.
Heute kann man nur die Ruinen von Bunkern und die Luftschutzräumen besichtigen.
Durch die Wolfsschanze führt ein ausgeschilderter Wanderweg.
Quelle: www.poland.gov.pl

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