GROSSPOLEN (WIELKOPOLSKA)
Großpolen (Wielkopolska) liegt in West- und Mittelpolen, im Zuflussgebiet
der Warta /Warthe/ und teilweise in den Zuflussgebieten der mittleren
Oder und der unteren Weichsel.
Es ist die älteste und mit den Anfängen Polens verbundene Region.
In einem Sumpfgebiet hat man hier in Biskupin vor 70 Jahren eine
Wehrsiedlung aus der Eisenzeit (550-400 v. Chr.) entdeckt. Die
Herrscher des Volksstammes Polanen errichteten in diesen Gebieten seit
dem 7. Jh. ihre Burgen. In Großpolen wurden auch die ersten polnischen
Könige gekrönt. Bis zum 11. Jh. war es das politische Zentrum des
Landes.
Die größte Stadt der Region ist die geschichtsreiche Messestadt Poznan
/Posen/. 50 km weiter östlich liegt die erste Hauptstadt Polens –
Gniezno /Gnesen/. In vielen Kleinstädten und Dörfern stehen alte, einst
von großpolnischen Adelsfamilien bewohnte Höfe, Schlösser und herrliche
Paläste. Inmitten der Wälder und Seen des Notec-Urwalds und der Großpolnischen
Seenplatte gibt es viele Freilichtmuseen und archäologische Schutzgebiete.
590 Jahre alte Eichen
In Wielkopolska, bei Rogalin liegt ein Park, der nach
1768 angelegt wurde. Auf den benachbarten Wiesen und Feldern steht der
europaweit größte Bestand alter Eichen. Von den 945 Bäumen sind einige
über 590 Jahre.
Natur
In Wielkopolska dominieren weite, flache Felder. Zwischen den Flüssen
Warta und Notec liegt der Notec-Urwald (Puszcza Notecka), eines der größten
Waldgebiete Polens (135 000 ha). In dieser Region gibt es zwei
Nationalparks. Der südlich von Poznan gelegene Wielkopolski Park Narodowy
/Großpolnischer Nationalpark/ übt für die Posener eine ähnliche Funktion
aus, wie der Urwald von Kampinos für die Warschauer: es ist die „grüne
Lunge” der Stadt. Der größte Teil des Nationalparks ist bewaldet
– es überwiegen Kiefernwälder sowie Mischwälter mit Kiefern und
Eichen. Diese Gebiete sind für Erholungssuchende sehr geeignet. Der Park
ist wie ein Freilichtmuseum postglazialer Formen. Als sich das skandinavische
Eis einst zurückzog, hinterließ es Rinnen, Hügel, Moränen, Wälle und Hügel
mit flachgeschürften Gipfeln. Der flächenmäßig kleine Park birgt 11 verschiedenförmige
Seen. Am schönsten ist der Rinnensee – Jezioro Goreckie.

Wielkopolska /Großpolen/
Foto: J. Morek/FORUM, www.poland.gov.pl
Im Jahr 2001 wurde der Nationalpark Warthe-Mündung (Park Narodowy
Ujscie Warty) gegründet, der nahe Mündung der Warthe in die
Oder liegt. Er besteht aus feuchten, zeitweilig überschwemmten Wiesen,
aus Weidengestrüpp, Kanälen, alten Flussbetten sowie einigen Dammwegen
und Deichen. Man hat ihn angelegt, um seine einzigartige Vogelwelt zu
schützen. Die sich über hunderte Hektar hinziehenden unzugänglichen Auewiesen
sind ein idealer Lebensraum für Wasser- und Schwimmvögel. Es leben hier
245 Vogelarten. Im Herbst machen an der Warthe-Mündung bis zu 200 000
Zugvögel Station, so dass manchmal der ganze Himmel von ihnen übersäht
ist. Die Natur kann man am besten beim Wandern oder mit dem Fahrrad erkunden.
Bevor man sich allein in den Park aufmacht, sollte man sich eine aktuelle
Karte kaufen und eine ausgeschilderte Route wählen. In der Region wächst
stetig die Zahl der Hotelbetten und es gibt immer mehr Bauernhöfe, auf
denen man übernachten und sich erholen kann.
Städte und kleinere Ortschaften
Die Hauptstadt von Wielkopolska Poznan /Posen/ hat eine wunderschöne
Altstadt und zahlreiche historische Gebäude. Das Rathaus gehört zu den
schönsten Renaissancebauten Mitteleuropas. In Poznan gibt es auch viele
andere reizvolle, lebhafte Ecken nicht nur für Studenten wie z. B.
Pubs, Klubs und Cafés. Jedes Jahr kommen 500 000 Besucher
nach Posen, um eine der internationalen Messen zu besuchen. Die erste
Poznaner Messe fand 1921 statt. Heute gibt es zu jeder Messe meist mehrere
fachorientierte Veranstaltungen, von denen einige in Europa hoch anerkannt
sind.
Wissenswertes:
Um die Grabstätte des Hl. Adalberts
streiten Polen und Tschechien bis heute. Die Gebeine des Heiligen sollen
nach der Ausraubung der Kathedrale in Gniezno durch den tschechischen
Fürsten Břetislav II.nach Prag gebracht worden sein, weshalb er dort
auch ein Grab hat. Die Polen behaupten jedoch, dass Fürst Bretislav den
Leichnam nicht stehlen konnte, da seine Überreste vorher an einem anderen,
sicheren Ort versteckt worden waren. Heute rühmen sich beide Städte, im
Besitz von Adalberts Reliquien zu sein.
In Poznan beginnt die so genannte Route der Piasten. Sie führt durch
Orte, die vor 1000 Jahren, während der Regierungszeit der ersten
Dynastie der polnischen Könige, wichtige Zentren des Landes waren. An
dieser Route stehen historische Gebäude. Das betrifft z. B. Gniezno
/Gnesen/, das bis zum 11. Jh. Polens Hauptstadt war. Gnesen ist für
seinen Kult um den Hl. Adalbert bekannt. Ein Sarkophag mit seinen
Reliquien in der Gnesener Kathedrale aus dem 10. Jh. Bemerkenswert
ist ebenfalls das landesweit berühmte Bronzene Tor von Gnesen aus dem
12. Jh.
Nahe Gniezno liegt der Lednicki-Landschaftspark (Lednicki Park Krajobrazowy),
in welchem man archäologische Fundstellen und ethnografisch interessante
Objekte entdeckte, die unter Schutz stehen.

2500 Jahre alte Siedlung in Biskupin
Foto: L. Zandecki, www.poland.gov.pl
Der Ethnographische Park Großpolens (Wielkopolski Park Etnograficzny)
ist eines der größten Freilichtmuseen Polens.
In Biskupin hat man 1933 eine Wehrsiedlung der Lausitzer Kultur von 750–400 v.u.Z. freigelegt. Dank
der sorgfältigen archäologischen Arbeiten konnte die Siedlung detailgetreu
rekonstruiert werden. So kann man heute nicht nur die originelle Anlage
der Siedlung mit ihrer Schutzwand aus Eichepfählen besichtigen, sondern
auch die wiederhergestellten Innenräume der Häuser. Jedes Jahr im September
reisen viele Menschen nach Biskupin, um an den aufwendig organisierten
Archäologie-Tagen teilzunehmen.
Quelle: www.poland.gov.pl

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