VORKARPATENLAND /PODKARPACIE/
Die Region Podkarpacie liegt im Vorfeld der West- und Ostkarpaten, im
Südosten Polens. Aus landschaftlicher und touristischer Sicht ist es eine
der interessantesten Regionen des Landes.
Die meisten Touristen zieht es in die Berge hier: die größte Fläche nehmen
die Ostbeskiden (Bieszczady und Beskid Niski) ein. Am häufigsten werden
die Bieszczady besucht, hier gibt es auch die meisten Wanderrouten.
Diese Gebiete sind im 15. und 16. Jh. kolonisiert worden. Damals
siedelten sich hier die Bojken und Lemken an. Das waren die Nachkommen
der wallachischen Schafhüter, die vom Balkan entlang der Karpaten wanderten
und diesen Teil der Beskiden zu ihrer Heimat machten. Sie haben im Laufe
der Zeit Elemente der ostslawischen Sprache und Kultur übernommen, dadurch
sind sie in ethnischer Hinsicht eine sehr interessante Volksgruppe. Heute
werden sie als ein spezifischer Teil des ukrainischen Volkes betrachtet.
Im Vorkarpatenland sind nur einige Erinnerungsstücke an sie erhalten geblieben.
Gleich nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges haben die stalinistischen
Machthaber, bei der Bekämpfung der auf diesen Gebieten sehr aktiven ukrainischen
Partisanengruppen, die Bevölkerung deportiert. Sie wurde wegen ihrer Glaubenszugehörigkeit
als Ukrainer eingestuft (Aktion Weichsel) und nach Nord- und Westpolen
umgesiedelt.
Erdöl aus Polen
Beskid Niski ist die Wiege der Erdölindustrie.
In Bobrka bei Krosno hat 1854 Ignacy Lukasiewicz die weltweit erste Erdölgewinnungsanlage
erbaut. Heute ist dort ein Förderschacht und ein einzigartiges Freilichtmuseum
der Erdölindustrie zu sehen.
Davon waren 140 000 Menschen betroffen, also fast alle Ureinwohner
des Beskid Niski und des Bieszczady-Gebirges. Nur einem geringen Teil
dieser Menschen gelang es, hierher zurückzukommen. Das Bieszczady-Gebirge
wurde plötzlich aus einem überbevölkerten zu einem dünn besiedelten Landesteil.
Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus ist die "Aktion Weichsel" in Polen
offiziell verurteilt worden. Ein offener Brief dazu wurde von fast 500 polnischen
Intellektuellen, Kunst- und Kulturvertretern unterzeichnet. Dies ändert
jedoch nichts an der Tatsache, dass eine wertvolle Kultur zerstört wurde
und dass dieser Landesteil am bevölkerungsärmsten ist. Dies bezieht sich
auch auf die Bewirtschaftung. Die bedeutendste Rolle spielt hier jetzt
der Tourismus. Dafür gibt es viele Hotels, Campingplätze, Restaurants
sowie Bauernhöfe für Urlauber.
Natur
Beskid Niski ist eine ausgedehnte relativ flache Gebirgsgruppe der polnischen
Karpaten. Die höchste Erhebung ist der Berg Lackowa mit 997 m.

Das Bieszczady-Gebirge
Foto: www.poland.gov.pl |
Dieses Gebiet ist sehr touristenfreundlich und leicht zu bewandern.
Es gibt viele Wanderrouten und unzählige Pfade und Feldwege für
individuelle Touren. Man findet hier sanfte Berghänge, den Fluss
Wisloka, der sich durch ein malerisches Land schlängelt sowie Tannen-
und Buchenwälder. Besonders artenreich ist der Magurski-Nationalpark.
Das Bieszczady-Gebirge ist das einzige Gebiet Polens, wo es der
Natur auf so einer großen Fläche gelungen ist, ihre natürliche Gestalt
und ihr natürliches Gleichgewicht zurückzugewinnen.
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Fast das gesamte Wysokie /Hohe/ Bieszczady-Gebirge wird von zahlreichen
Braunbären und Wisenten, Wölfen, Hirschen, Falken und Adlern, also von
den Bewohnern des ehemaligen Karpaten-Urwalds bewohnt. Man kann auch einem
Elch, einem Luchs oder einer Wildkatze begegnen. Der Tourist steht hier
direkt der Naturgewalt gegenüber.
Eine Attraktion des Bieszczady-Gebirges sind die weiten Almen –
Hochgebirgswiesen mit Alpenflora. Ein Teil der Pflanzen steht unter Naturschutz
des Nationalparks „Bieszczadzki Park Narodowy“. Dieser Park
wurde 1998 mit dem Europadiplom ausgezeichnet, das vom Europarat als Anerkennung
für den Schutz besonders wertvoller Naturbestände vergeben wird.
Wissenswertes:
Der Bieszczady-Nationalpark ist ein Bestandteil
des unter der Schirmherrschaft der UNESCO entstandenen, trilateralen Naturschutzgebietes
der Biosphäre „Karpaty Wschodnie /Ostkarpaten/” (Polen-Slowakei-Ukraine).
Es hat die Aufgabe, die größten europäischen Komplexe von Buchenwäldern
mit den darin lebenden Tieren (Braunbären, Wölfe, Wisente und Luchse)
und die europaweit einzigartigen Ostkarpatenalmen zu schützen.
Der Nationalpark und das gesamte Bieszczady-Gebirge haben ein dichtes
Wanderroutennetz und verfügen über weite Flächen, die für das Reiten besonders
geeignet sind. Auf den Feldwegen werden die Pferde nicht vom Autoverkehr
gestört, getränkt werden können sie in den sauberen Seen und Bächen. Es
gibt hier zahlreiche private Pferdezüchtereien, in denen u.a. die Huzulenpferde,
sehr zahme, menschenfreundliche kleine Pferde, mit hohem Durchhaltevermögen
gehalten werden, die sich bei den Bergwanderungen sehr gut bewähren. Im
Nationalpark werden auch Geländewagen-Ausflüge organisiert, bei denen
man wilde Tiere und Vögel beobachten kann.
Städte und Ortschaften
Ein wichtiges Kultur-, Industrie- und Verkehrszentrum der Region ist
die Stadt Sanok. In dem malerisch am Fluss San gelegenen Sanocker Schloss
kann man die größte polnische Ikonensammlung besichtigen. Am anderen Ufer
des San, auf Biala Gora /Weißer Berg/ liegt das größte polnische Freilichtmuseum
(Museum für Folkloristisches Bauwesen), wo sich die wertvollsten historischen
Holzbauten von Bieszczady befinden. In Sanok beginnt die sog. Ikonen-Route.
Sie macht eine 70 km lange Schleife über Dörfer, in denen wertvolle,
hölzerne orthodoxe Kirchen erhalten geblieben sind (die älteste stammt
von 1510). Die Route kann zu Fuß, zu Pferd, auf dem Fahrrad oder auf dem
Wasserweg, durch das San-Tal gemacht werden. Die umliegenden Berge und
Wälder sind voller gut erhaltener Burgen, Hünengräber und Friedhöfe –
Hinterlassenschaften der hier einst lebenden Volksstämme.
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as zweite wichtige Zentrum dieser Region ist Przemysl. Der am Ufer
des Flusses San, im polnisch-ukrainischen Grenzgebiet gelegene Ort,
ist eine historisch wertvolle, interessante Stadt, in der die Kulturen
des Westens und des Ostens aufeinanderstoßen. Man kann hier ebenfalls
ein Befestigungswerk aus dem 1. Weltkrieg (Przemysl war damals eine
mächtige Festung) und das herrliche Renaissance-Schloss in Krasiczyn,
das bei jedem Touristen Bewunderung erweckt, besichtigen.
Die Region hat auch kleinere Ortschaften anzubieten, in denen es
interessante historische Objekte gibt. Schöne alte griechisch-katholische
und orthodoxe Kirchen befinden sich in Komancza. In Lesko, einem
malerischen Städtchen, das eine sehr gute Ausflugsbasis für Bieszczady-Wanderungen
darstellt, erhebt sich hingegen eine manieristische Festungssynagoge.
Sie wird zu den schönsten jüdischen Sehenswürdigkeiten in Polen
gezählt. Gleich daneben befindet sich auf einem Hügel ein riesengroßer,
uralter kirkut – ein jüdischer Friedhof, der zu den
wertvollsten in Polen gehört.
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Eine orthodoxe Kirche im
Gebirge Beskid Niski
Foto: A. Olej, K. Kobus
www.poland.gov.pl |
Im Herzen der Region befindet sich der Jezioro Solinskie /Solina-See/.
Das riesige Becken ist zwar ein künstlicher Stausee, trotzdem ist er wunderschön
und aus touristischer Sicht zweifelsohne sehr interessant. Die an seinem
Ufer liegenden Erholungszentren, z.B. Solina oder Polanczyk, bieten sehr
gute Möglichkeiten für Wassersport zu betreiben. An den zahlreichen Anlegestellen
entlang der 160 km langen Küste kann man Jachten, Boote, Kanus, Kajaks
und Wassertreter ausleihen. Polańczyk hat zusätzlich den Status eines
Kurortes. Es liegt auf einer Halbinsel, die in den See hineinragt, hat
ein sehr mildes Mikroklima und Mineralwasserquellen. Hier werden
u.a. Erkrankungen der Atemwege behandelt.
Quelle: www.poland.gov.pl

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